In einer Männerdomäne durchgesetzt!

Nicole Schadewalt und Ewgenija Frank haben es geschafft – sie behaupten sich in der Welt der Wissenschaft, die nach wie vor von Männern dominiert wird. Ein Gespräch über Vorurteile, Chancen und Vorbilder.

HAMBURG WOMAN: Wie habt ihr den Weg in die Wissenschaft gefunden?
Ewgenija Frank: Für mich war es eine bewusste Entscheidung. Ich hatte schon immer ein Faible für Mathe und Chemie und war mir früh darüber im Klaren, dass ich gerne in die Wissenschaft gehen würde. Als mir bei der Wahl der Leistungsfächer dann klar wurde, dass naturwissenschaftliche Fächer auf meinem Gymnasium nicht zustande kommen würden, habe ich die Schule gewechselt.
Nicole Schadewaldt: Bei mir war es viel einfacher. Da mein Vater Wissenschaftler ist, hatte ich von Anfang eine Vorstellung darüber, was Wissenschaftler eigentlich machen. Ich habe zunächst nur Mathe und Englisch als Leistungskurs gewählt, weil das die einzige Möglichkeit war, alle drei Naturwissenschaften zu behalten. Danach habe ich mich dazu entschieden, Mathe zu studieren.

Die Wissenschaft ist nach wie vor ein sehr männerdominierter Bereich. Woran liegt das aus eurer Sicht?
Frank: Meine Vermutung wäre die genetisch bedingte Veranlagung. Historisch gesehen war es immer schon so, dass die Männer in den Technikbereichen dominiert haben und die klassische Frauenrolle woanders lag.
Schadewaldt: Ich glaube, dass es zwei Gründe für dieses Ungleichgewicht gibt. Einerseits spielt der kulturelle Hintergrund eine Rolle. Andererseits liegt die Wahrscheinlichkeit einer Hochbegabung bei Männern auch einfach höher als bei Frauen, was wiederrum an den Geschlechtschromosomen zu liegen scheint. Allerdings ist Hochbegabung auch extrem selten. Auf die breite Masse und die Studiengänge dürfte es also überhaupt keinen Einfluss haben.

Seht ihr euch denn selbst als Vorbilder für junge Mädchen, die in der Branche Fuß fassen möchten?
Schadewaldt: In gewisser Weise schon. Natürlich nicht für jeden und nicht in jedem Detail, aber es hilft, schon einmal Aspekte gehört zu haben. Ich finde es auch gut, dass wir beide so unterschiedlich sind. Ewgenija ist gestylt und schick, hat viel mit Kunden zu tun, während ich aus der Forschung mit Bluse und Pulli daherkomme.
Frank: Genau. So sprechen wir natürlich auch verschiedene Typen von Mädchen an.
Schadewaldt: Es gibt auch bei uns in der Abteilung die ein oder andere, die sich schminkt, aber tatsächlich ist es eher nicht die Regel. Was ich damit sagen will: Man kann sowohl so als auch so erfolgreich sein. Um eine erfolgreiche Wissenschaftlerin zu sein, muss man sich also weder schminken noch vollständig auf Schminke verzichten. Daher ist es wichtig, dass man beide Seiten sieht.
Frank: Mir geht es vor allem darum, den Mädchen klarzumachen, dass sie in der Wissenschaft auf nichts verzichten müssen, was der Frau im klassischen Sinne zusteht. Kinderkriegen ist so ein Beispiel.

In männerdominierten Branchen wie eurer werden Frauen auch immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert.
Wie habt ihr diese Situation bisher erlebt?
Frank: Bei meinem ersten Job habe ich teilweise schon direkte Ansagen bekommen nach dem Motto „Was willst du hier eigentlich?“ Nach einem halben Jahr habe ich dann eine völlig andere Rückmeldung bekommen. Sie haben mich akzeptiert und respektiert und inzwischen kann ich sagen, dass ich immer noch ein super Verhältnis zu diesen Kollegen habe. Ja, es war schwierig, aber ich glaube man kann beweisen, dass man es drauf hat.
Schadewaldt: Bei mir war es kein Problem. Ich habe in diesem Umfeld studiert und promoviert und nun arbeite ich in diesem Umfeld. Rückblickend kann ich sagen, dass es nie eine Rolle gespielt hat, dass ich eine Frau bin. Man muss also nicht immer kämpfen.

Habt ihr denn hin und wieder noch das Gefühl, euch als Frau besonders beweisen zu müssen?

Frank: Ich habe für mich einfach mal beschlossen, nicht mehr darauf zu achten. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Vorteile, die ich als Frau habe. Ich habe mich noch nie als Benachteiligte, sondern immer als Bereicherung für das Team gefühlt.
Schadewaldt: Das kann ich absolut bestätigten. Ich habe am Anfang auch ausschließlich in männlichen Teams gearbeitet. Erst als eine weitere Frau dazukam, wurde mir bewusst, dass es die Mischung macht.

Rechts finden Sie den Originalartikel (als PDF), Hamburg Woman vom Mai 2018.