„Wir haben uns bewährt!“

11.09.2012

Fünf Jahre NAT – für eine Initiative, die als Idee angefangen hat, ist das schon eine Art Zäsur. Auch wenn die Zeitspanne zu kurz sein dürfte, um eine ganze Disziplin zu retten, so hat sie der NAT doch gereicht, um sich in der Hamburger Bildungs- und Wirtschaftslandschaft fest zu verankern und als Modellprojekt gehandelt zu werden. Anlass für Mitbegründerin und Geschäftsführerin Sabine Fernau im Gespräch mit der NAT-Redaktion zurück- und vor allem vorauszublicken.

NAT: Fünf Jahre Einsatz für einen attraktiven naturwissenschaftlichen Unterricht – was läuft besonders gut? 

Was mich immer wieder begeistert und auch antreibt, ist die Motivation der Beteiligten. Und dass wir mit wenigen Mitteln sehr viel erreichen, beispielsweise mit nur einem Anruf einen ganzen Workshop füllen können, weil die Resonanz so hoch ist. Das macht unsere Arbeit so lohnenswert:  Das Engagement der Beteiligten ist da und wir müssen gar nicht viel anschieben.

NAT: Aber das war nicht immer so? 

Am Anfang war das sehr viel mehr Klinkenputzen. Auf jeden Fall die ersten zwei Jahre lang. Inzwischen nehmen die Beteiligten unser Anliegen so ernst, dass sie uns weiterreichen, wenn sie einer Anfrage selbst nicht nachkommen können.

NAT: Das Netzwerk funktioniert… 

Ja, und alle sind stolz darauf, dass sie dabei sind und bemühen sich um Lösungen. Das begeistert mich wirklich und es hängt damit zusammen, dass wir so viele Schultern haben – viele Unternehmen, Hochschulpartner, Institute…

NAT: Was ist Ihr Erfolgsrezept? 

Perspektivwechsel und Balance. Wir sehen die unterschiedlichen Motivationen und Positionen der beteiligten Partner und versuchen allen Seiten gerecht zu werden. Man darf nicht vergessen: Schüler interessieren sich nicht dafür, ob die Unternehmen genügend Nachwuchskräfte haben und Lehrer wollen in erster Linie einen guten Unterricht machen. Wenn sie dann nebenbei auch noch für mehr MINT-Absolventen sorgen, umso besser.

NAT: Was haben Sie noch nicht erreicht?

Als ich zum ersten Mal im Walzwerk der Hydro in Waltershof war und diese brachiale Technik und Energie gespürt habe, habe ich mir geschworen, jeder Schüler soll das einmal selbst erleben. Das habe ich nicht erreicht, aber es geht um das Prinzip: Die Schüler sollen Technik erleben, berührt werden. Und weil das bei jedem anders gelagert ist, brauchen wir vielfältige Angebote. Wir müssen den einzelnen noch stärker als Individuum sehen. Schließlich hat auch noch nicht jede Schule die Kooperation, die sie verdient.

NAT: Wie sind Sie aktuell aufgestellt?

Wir haben die harte Schule der Gründung hinter uns gelassen und können ganz selbstbewusst auftreten. Wir können sogar mit Fug und Recht sagen, die Schulbehörde unterstützt uns, die Wirtschaftsbehörde, die Wissenschaftsbehörde … und das immer auf ganz hoher Ebene. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den Anfängen, wo zwar alle unseren Weg befürwortet haben, aber doch erst mal wohlwollend beobachtet haben, ob wir uns auch wirklich bewähren. Und genau da ist 2012 aus meiner Sicht ein Richtungsjahr: Die Träger haben beschlossen, uns weitere fünf Jahre zu finanzieren, der Wirtschaftssenator hat einen Förderkreis für uns ins Leben gerufen und wir konnten in der Entwicklung der Physikprofile und unseren Umfragen sehr gute Ergebnisse nachweisen. Ja, wir haben uns bewährt.

NAT: Anlässlich des Geburtstages werden zwei Schulen und ein Unternehmen ausgezeichnet. Wie kam es dazu?

Zum einen gab es den Wunsch der Schulen, nach außen zu dokumentieren, dass sie eine NAT-Schule sind. Zum anderen hatten wir selbst schon länger überlegt, besonders verlässliche Partner zu ehren. Aber wir wollten auch nicht, dass der fünfte Jahrestag in einem Auszeichnungsmarathon endet. Daher würdigen wir drei Partner, stellvertretend für alle anderen.

NAT: Wie kommen die anderen Schulen an die Auszeichnung?

Sie können sich bewerben, indem sie eine dreijährige Zusammenarbeit oder einen Vertrag nachweisen. Dazu haben wir ein Bewerbungsformular online gestellt und werden die Kandidaten am kommenden MINT-Tag, dem 15. November auszeichnen.

NAT: Was erwarten Sie von einer NAT-Schule?

Den echten Willen zur Kooperation und Unterstützung von der Schulleitung. Die Exkursion nach Pellworm muss genauso selbstverständlich sein wie eine Orchesterfahrt und die Kooperation gewürdigt werden.

NAT: Das gilt auch für die Unternehmen? 

Ja, auch die Geschäftsführung muss Ressourcen für die beteiligten Mitarbeiter bereithalten. Das Verhältnis muss belastbar sein, nicht nur uns, sondern auch der Schule gegenüber. Das bedeutet nicht, dass das Unternehmen immer ja sagen muss, sondern den Kontakt hält, sich zeitnah zurückmeldet. Wenn eine Vertrauens- und Resonanzbasis vorhanden ist, wird beiden Seiten schnell klar, was möglich ist und was nicht.   

NAT: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Noch mehr Schüler als bisher wählen die Physikprofile an und erhalten eine bessere Orientierung. Nicht damit jeder dieser Schüler unbedingt Naturwissenschaftler oder Ingenieur wird, sondern damit er überhaupt die Chance hat, einen solchen Beruf zu ergreifen.  Wir wollen in den nächsten Jahren noch mehr Entscheidungshilfen geben, mit noch mehr Schülern und vor allem Schülerinnen in Kontakt kommen.

NAT: Wenn Sie jetzt noch einen Geburtstagswunsch frei hätten…

Dann nehme ich den Investor, der fünf Millionen für unsere Stiftung gibt, für jedes Jahr unseres Bestehens eine. Damit hätten wir die Planungssicherheit auf finanzieller Ebene, die wir ideell längst haben.