Projekt für junge, MINT-affine Zuwanderer am Start

09.10.2015

NAT, MINT, Physik-Profil – mit den Begriffen können die 15 Jugendlichen an der Stadtteilschule Barmbek noch nicht viel anfangen. Aber sie haben verstanden, dass an diesem Vormittag statt Chemie ein Gespräch über sie selbst, ihre Herkunft und Interessen auf dem Unterrichtsplan steht und das freut den einen oder anderen durchaus. „Willkommen“, sagt Mawlic und nimmt wie zum Zeichen seine rote Cap vom Kopf. Der 18-Jährige kommt aus Somalia, lebt seit 18 Monaten in Hamburg und ist Teilnehmer im Kurs MSA 2a. Noch so eine Abkürzung, sie steht für den Mittleren Schulabschluss und die Klasse 2a: Mawlic und seine Mitschüler aus der ganzen Welt haben in ihrem ersten Schuljahr in der Stadtteilschule am Standort Emil-Krause vor allem Deutsch gelernt. Im zweiten Schuljahr steht der gesamte Fächerkanon einer zehnten Klasse auf dem Plan, im Februar machen sie ihren Mittleren Bildungsabschluss. Und dann? 

Eine Klasse von Welt

„Ich will eine Berufsausbildung zum Programmierer machen“, sagt Mawlic, der schon einen PHP-Programmierkurs an der Fachhochschule Wedel besucht hat und sich in seiner Freizeit in die Programmiersprachen Java und C++ einarbeitet. So konkrete Vorstellungen haben die meisten seiner Mitschüler noch nicht: Arian (17) aus dem Iran hat zwar schon ein Lieblingsfach, „Mathe“, aber noch keine Idee, was er damit machen will – oder was man damit überhaupt machen kann. Badr (18) findet zwar Chemie ganz cool, solange es ordentlich knallt und kracht, aber ansonsten interessiert er sich nicht so für Naturwissenschaften. Fest steht nur für den jungen Syrer: Er will sich ein neues Leben aufbauen, Abitur machen, eine gute Ausbildung absolvieren. „Deutschland ist eine Chance für uns! Egal woher man kommt, man kann hier etwas lernen.“

Neu lernen, jeden Tag

Deutschland ist das Land mit feuchtem Klima und klasse Karrierechancen, darin sind sich die jungen Leute einig: „Die Schulen sind besser und sie kosten weniger als bei uns“, meint Sya. Der 17-Jährige kommt aus Südafrika, aus Kapstadt, „der Mutter Südafrikas“, wie er sagt und dahin will er auf jeden Fall zurück. Aber erst nach dem Studium, auch wenn noch nicht feststeht, worin das bestehen soll. Wohl eher nicht im Sport: „Das kann ich ja schon“, meint er lakonisch – Sya strebt eine Karriere als Fußballprofi an. Und Lucas, mit 16 der Jüngste in der Gruppe? Sein liebstes Schulfach ist die Physik, sein Interesse reicht von der Kosmologie bis zur Philosophie. Kurz, der Mallorquiner will sich noch nicht festlegen: „Es gefällt mir einfach zu lernen, jeden Tag.“

Studierende der TUHH im interdisziplinäre Bachelor-Projekt, April 2015

Engagement für MINT-affine Zuwanderer

Um Arian, Badr, Lucas, Mawlic, Sya und allen anderen interessierten Zuwanderern zu zeigen, was man mit MINT-Fächern in der Welt der Wirtschaft, der Industrie und Forschung alles anfangen kann, arbeitet die NAT zukünftig mit der Stadtteilschule Barmbek nicht nur in der Oberstufe, sondern auch in den sogenannten Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) zusammen. Für Schulleiter Bernd Tißler ist es eine große Chance, da diese Schüler ganz unterschiedliches Vorwissen zum Thema Berufsorientierung mitbringen. Physiklehrer Christian Rammé freut sich über die Perspektiven, die die Schüler für sich gewinnen können.

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