mint:pink Norderstedt auf TUHH-Turbo-Tour

29.06.2018

Mit den Schwingungen ist es so eine Sache. Mal braucht man sie, etwa wenn eine große, aus Bronze gegossene Kirchenglocke erklingen soll. Mal will man sie so gering wie möglich halten, etwa wenn ein Container per Kran umgeschlagen wird. Genau das probiert Frieda am Versuchsstand des Instituts für Mechanik und Meerestechnik, den Joystick in der Hand, den Blick fest nach oben gerichtet: Dort hängt ein kleiner nachgebauter Container an Drahtseilen unter einem Rollfahrwerk. In der Fachsprache der Containerbrücken spricht man von einer „Laufkatze“, an der Frieda den Container schwungvoll über den Köpfen ihrer Mitschülerinnen bewegt. „Versuchen Sie mal durch Laufkatzenbewegung die Schwingung zu verkleinern“, ermuntert Marc-André Pick. Frieda bewegt den Stick zur entgegengesetzten Seite, die Schwingung verebbt. „Sehr schön, intuitiv alles richtig gemacht“, lobt der Oberingenieur, „Sie können Kran fahren!“

Sanft und sicher über die Containerbrücke

Aber Kranfahrerin zählt nun nicht gerade zu den Traumberufen von Achtklässlerinnen. Und überhaupt, seit wann werden 13- und 14-Jährige gesiezt? Für den promovierten Wissenschaftler Pick und viele seiner Kollegen an der Technischen Universität Hamburg, kurz TUHH, hat die Anrede Signalwirkung: Man will die Schülerinnen ernst nehmen, ihnen aktuelle Beispiele aus der Forschung vorführen und eventuell Interesse an einem MINT-Studiengang wecken. Dafür steht schließlich auch das Programm mint:pink, an dem die 50 jungen Norderstedterinnen teilnehmen. Und für das sie kurz vor den Schulferien in der Früh einmal quer durch Hamburg gefahren sind: „Es ist euer Tag, macht was draus, fragt nach, findet heraus, was euch interessieren könnte“, begrüßt Wolfgang Mackens die Mädchen. Der engagierte Mathematikprofessor ist dafür verantwortlich, dass sich 16 wissenschaftliche Institute für die Schülerinnen Zeit genommen haben, ihre Labore geöffnet und sogar schülergerechte Aufgaben konzipiert haben.

Von pink zu MINT

4 Dek 2 You: Vier Dekanate an einem Tag

Das Institut für Mechanik und Meerestechnik ist an diesem „TUHH-Turbo-Tag“ eines der vier Angebote des Studiendekanats Maschinenbau. Weiterhin stehen noch Elektrotechnik, Bauwesen und Verfahrenstechnik auf Friedas Stundenplan, verteilt auf unterschiedliche Institute. „Zur Elektrotechnik gehören an der TUHH auch Informatik und Mathematik – weil wir so wenige sind“, erklärt Mackens. Dass der Mathematiker die vier Fachrichtungen und ihre Beschäftigungsfelder zunächst in einem fensterlosen Hörsaal vorstellt, schüchtert am Anfang noch ein wenig ein. „Ich finde die Uni hier sehr dunkel“, sagt Leoni. Aber bald wird es Licht: Denn Leonis Gruppe vom Coppernicus-Gymnasium besucht als nächstes das Institut für Thermische Verfahrenstechnik, wo Institutsleiterin Irina Smirnova die Mädchen persönlich in einer lichthellen Halle begrüßt. „Was Sie hier sehen, ist die technische Halle der Verfahrenstechnik. Die Apparate stehen so auch in der Industrie“, sagt die Professorin und verweist auf einen großen Rührkesselreaktor.

Farbenspiel im Rührkessel

Von unten wird gerade CO2 in den Reaktor geleitet, von oben gibt eine Mitarbeiterin den pH-Indikator Phenolphthalein hinzu: Die Flüssigkeit färbt sich pink ein. „Wow!“ Die Mädchen sind begeistert. Und jetzt dürfen sie auch noch selbst Hand anlegen: Die Doktoranden Wienke Reynolds und Oliver Fellechner haben Obst und Gemüse klein geschnitten, das in kleinen Portionen zunächst mit Wasser, dann mit Öl versetzt wird – ein Extraktionsexperiment. Leonie wählt Spinat. „Den musst du gut durchmischen, der ist etwas störrisch“, sagt Reynolds. Tatsächlich löst er sich kaum, während sich die Früchte in Wasser und die Paprikastückchen in Öl lösen: „Das liegt am Carotin“, erklärt die Doktorandin. Auch das Chlorophyll in Leonis Spinat ist fettlöslich, aber da müsste man noch kleiner schnippeln oder ein anderes Lösungsmittel nehmen. „Sehr spannend“, findet die 14-Jährige und blickt auf den Rührkessel, der sich unter Zusatz von Salzsäure wieder von Pink über Mint entfärbt. Ihre Freundin Aimée ist gespannt, wie es weitergeht: „Ich finde es gut, dass man in so kurzer Zeit Einblicke in so verschiedene Bereiche bekommt.“

Beteiligte Institute der TUHH

Bauingenieurwesen:

Institut für Wasserbau

Technische Thermodynamik     

Baustatik und Stahlbau

Institut für Geotechnik und Baubetrieb

 

Elektrotechnik:

Institut für Mikrosystemtechnik

Medizintechnische Systeme

 

Maschinenbau:

Institut für Konstruktion und Festigkeit von Schiffen

Institut für Kunststoffe und Verbundwerkstoffe

Institut für Biomechanik

Institut für Mechanik und Meerestechnik

 

Mathematik:

Institut für Quantitative Unternehmensforschung und Wirtschaftsinformatik  

Institut für Mathematik, Numerische Mathematik  

 

Verfahrenstechnik:

Institut für thermische Verfahrenstechnik 

Institut für technische Biokatalyse 

Institut für chemische Reaktionstechnik                     

Institut für Mehrphasenströmungen

 

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