Unterwegs in ähnlicher Mission - 250 Unternehmensvertreter, Wissenschaftler, Lehrer und Schüler gratulieren NaT zum fünfjährigen Bestehen

21.09.2012

Ein tiefer Atemzug, eine leichte Kniebeuge, Stillstand: „Sie merken schon, Rot ist eher so der lethargische Typ“, scherzt Vince Ebert. Der Kabarettist mimt vorne auf der Bühne das Licht, das Flip-Chart neben ihm ein Staubteilchen. „Trifft nun das energiearme Licht mit den langen Wellenlängen in der Erdatmosphäre auf ein Staubteilchen“ , sagt Ebert und bewegt sich als roter Lichtstrahl mit ausufernden Schritten auf das Flip-Chart zu, „dann denkt es sich, ach komm, davon lass ich mich nicht ablenken“, so der Humorist und geht am Flip-Chart vorbei. „Blau ist vollkommen anders. Blaues Licht hat sehr viel mehr Energie, aber ganz kurze Wellenlängen.“ Jetzt eilt Ebert mit kurzen hektischen Schritten und wilden Bewegungen auf das Flip-Chart zu, stößt sich fast den Kopf und prallt immer wieder ab.

NAT-Geburtstagswunsch: Wissenschaftskabarettist Vince Ebert

Nicht ganz zufällig ist die Bühne, auf der Vince Ebert steht, an der Rückseite in rotes und blaues Licht getaucht: Rot steht für die Körber-Stiftung, die Gastgeber und Schirmdame der Veranstaltung ist. Blau steht für die Initiative NaT, die ihren fünften Geburtstag mit rund 250 Gästen aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Schule feiert. Ein großer Geburtstagswunsch von NaT-Geschäftsführerin Sabine Fernau war es, den Diplomphysiker und Wissenschaftskabarettisten auf die Bühne zu holen. Und er ist gekommen, ehrenamtlich, für eine gute Sache: „Wir sind in einer ähnlichen Mission unterwegs. Wir versuchen den Menschen Wissenschaft und Technologie zu vermitteln“, erklärt Ebert.

Unterwegs in ähnlicher Mission - 5 Jahre NAT
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Physik - kein La Paloma-Fach

Mit seinem Vortrag beweist der Wissenschaftsvermittler erstens, dass Physiker keine drögen Typen und zweitens, dass die Naturwissenschaften nicht abstrakt sind. Weil nämlich schon Kinder die entscheidenden Fragen stellen: „Warum ist der Himmel blau?“ Altersgemäße Antworten könnten Eltern geben, hätten sie denn ein wenig Verständnis für die Zusammenhänge der Physik und die Gabe zur Vereinfachung, wie Vince Ebert sie auf der Bühne vorführt – und viele ausgezeichnete Lehrer sie im Unterricht beweisen. Was nicht bedeutet, dass die Naturwissenschaften einfach zu erlernen wären: „Nein, Physik ist kein La Paloma-Fach!“, betont der Kabarettist.

Die andere kulturelle Haltung - Naturwissenschaften und Technik als Teil der Allgemeinbildung

Nicht einfach, aber nützlich und unglaublich spannend, wenn man Praxisnähe und Anschauung in den naturwissenschaftlichen Unterricht bringt, so wie es die Initiative NaT seit fünf Jahren erfolgreich tut, lobt Dr. Lothar Dittmer, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung, in seiner Laudatio. Drei Gründe nennt der Kuratoriumsvorsitzende der Initiative für das Engagement der Stiftung: „Erstens, auch Kurt Körber war Unternehmer und Ingenieur.“ Zweitens ist es um die Stellung von Hamburgs Nachwuchs im MINT-Bereich nicht gut bestellt: „Platz 14 von 16, das kann für eine Metropole wie Hamburg nicht reichen!“ Drittens geht es um eine andere kulturelle Haltung zu Naturwissenschaften und Technik: „Literatur, Kunst und Musik gehören zur Allgemeinbildung. Grundlegendes Wissen zum Beispiel über die Mobilität oder über Energie sollte ebenfalls dazugehören.“

Unterwegs in ähnlicher Mission - 5 Jahre NAT
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Statt irgendwas mit Medien

Wissen, das die Oberstufenschüler Katharina Löffler vom Gymnasium Grootmoor und Rouven Kanitz vom Gymnasium Süderelbe längst haben. Katharina hat gerade am Rechner ein aerodynamisches Fahrzeug konstruiert, das sie gemeinsam mit ihrem Team am 26. Oktober in Abu Dhabi zur Weltmeisterschaft „Formel 1 in Schools“ ins Rennen schickt. Rouven hat mit seinem Profilkurs „Energie-und Umwelttechnologie“ beispielsweise schon auf Einladung von E.ON Hanse das Hybridkraftwerk auf Pellworm be- und untersucht. Beide Schüler setzen auf eine Zukunft mit „Naturwissenschaft und Technik statt irgendwas mit Medien“,  wie Dittmer lobt.

Ausgezeichnete Schulen und Unternehmen: Vorbild und Ansporn zugleich

Die Gymnasien Grootmoor und Süderelbe sowie das Unternehmen E.ON Hanse werden denn dann auch von der Initiative NaT für ihr fünfjähriges Engagement ausgezeichnet. „Stellvertretend für viele NaT-Schulen und viele Unternehmen“, wie Sabine Fernau betont. Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt überreicht die Urkunden: „Sie sind Vorbild und Ansporn zugleich“, lobt die Zweite Bürgermeisterin die Ausgezeichneten und wendet sich noch einmal besonders an die Mädchen: „In den Ingenieurwissenschaften, in den Naturwissenschaften und in der Technik finden sich die Berufe der Zukunft. Hier sind die Chancen auf gut bezahlte, spannende Arbeitsplätze besonders hoch. Nur Mut!“

Alle profitieren

„Eigentlich merkwürdig, dass wir hier ausgezeichnet werden“, meint Marc Hoge, Physiklehrer am Gymnasium Grootmoor, nachdem er die Bühne wieder verlassen hat. „Schließlich profitieren wir doch als Schule in erster Linie von der NaT und nicht die NaT von uns.“ Klar, die Zusammenarbeit mit E.ON Hanse sei inzwischen ein Selbstläufer, aber wann immer es neue Projekte, wie die Überprüfung von philosophischen Wissenschaftstheorien in der Praxis oder eine Wasserstoffwoche an der Schule gebe, helfe die Initiative konstruktiv weiter: „Ich als Lehrer habe gar nicht die Zeit und vor allem nicht die Kontakte, um das in die Wege zu leiten.“

Unterwegs in ähnlicher Mission - 5 Jahre NAT
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Herzliche Laudatio zum Lustrum

Die NaT-Gesellschafter und Gründer Sabine Fernau, Mathematikprofessor Wolfgang Mackens und Ingenieur Helmut Meyer freuen sich über das Lob, das am „Lustrum“ besonders herzlich ausfällt: „Sie sollen etwas lernen heute Abend: ein Lustrum ist ein Jahrfünft“, erklärt Professor Michael Stawicki, Präsident der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in seiner Laudatio. „Wir haben uns gefreut über die erste Initiative von Wolfgang Mackens und der Technischen Universität Hamburg-Harburg, zu der wir anderen dazu kommen durften.“

Die beste Investition meines Lebens

Dann wendet sich Stawicki an Helmut Meyer: „Sie haben das erste Abheben ermöglicht. Wenn man erst einmal in der Luft ist, fliegt man ja meistens ganz gut, aber am Start muss man ganz viel Geschwindigkeit aufnehmen und dafür haben Sie gesorgt. Herzlichen Dank dafür!“ Meyer strahlt und winkt doch ab. „Ach, das war doch viel zu dick aufgetragen“, sagt er am Ende der Feierstunde. Natürlich habe er Geld gegeben, aber auch viel zurückbekommen. „Das war die beste Investition meines Lebens.“

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