mint:pink erkundet Gründergeist und Lichttechnik in einem

14.11.2018

Wenn am Sonntagabend in Deutschland Tatortzeit ist, schaut Götz Schmidt zur Nedden ganz genau hin. Nicht wegen der Leichen, sondern wegen der Lichteinstellungen: „Bei guten Filmen sieht man nicht, woher das Licht kommt. Man braucht dann allerdings bis zu 30 Leute, die sich um nichts anderes kümmern“, sagt der Unternehmer und frühere Oberbeleuchter. Zusammen mit seinem Ex-Kollegen Till Sadlowski hat er das Start-up „Carpetlight“ gegründet. Der Name mag ein wenig nach 1001-Nacht klingen, dahinter steckt aber eine Geschäftsidee, die moderne Leitfadentechnologie mit smarten Textilien und Leuchtdioden verbindet – und ziemlich pfiffig ist. Das finden zumindest 13 mint:pink Mädchen, die sich mit den leuchtenden Stoffen schmücken oder darunter fotografieren lassen.

Im textilen Scheinwerferlicht

Was die Zehntklässlerinnen aus fünf unterschiedlichen Gymnasien zwischen Bergedorf, Norderstedt und Blankenese bei ihrer Exkursion kennenlernen: Erstens eine Technik, die Stoffe zum Leuchten bringt. Zweitens den Anteil von Physik und Mathe daran. Drittens ein wenig Start-up Feeling – „das ist hier alles lockerer, lebendiger und kreativer als in anderen Unternehmen“, findet Laura vom Luisen-Gymnasium in Bergedorf. Die Lockerheit fängt schon bei der Anrede an: Das Team stellt sich nur mit Vornamen vor, egal ob Geschäftsführer, Schneider oder Elektrotechniker, und bietet konsequent das „Du“ an. Und kreativ ist schon die Geschäftsidee selbst: Statt ständig schwere Scheinwerfer am Set hin- und herzuschleppen und das Licht gleichzeitig durch helle, diffuse Flächen weicher zu machen, verbindet man doch besser gleich beide Elemente, so dachten sich die Carpelight-Gründer. Am besten in einem leichten, leuchtenden Tuch!

Technik für Hollywood

Carpetlight on, Kamera an … und Action!

„24 Jahre lang haben wir dafür gesorgt, dass Leute in Film und Fernsehen gut aussehen“, erzählt Till. Zeit, es sich selbst einmal gut gehen zu lassen und das Leben leichter zu machen, meinten die Beleuchter und stießen bei Forschungsinstituten auf silberbedampfte Fäden, die Strom leiten können. Die musste man noch mit vielen kleinen LEDs auf reißfesten Textilien verbinden – und schon hatte man eine Lichttechnik ohne Drähte und statische Systeme. Dass es nicht ganz so einfach ist, merken die Schülerinnen schon am Preis: „Die große Profileuchte kostet 8 000 Euro“, sagt Till. Aber der Leuchtteppich ist eben auch ein handgefertigtes Unikat, robust, wasserabweisend und dimmbar. Für den Wechsel zwischen Tageslicht- und Warmweiß wird er mit einem kleinen schwarzen Kästen ausgeliefert, den Elektrotechniker Niklas mit Platinen bestückt und Software bespielt hat: „Wir dimmen tatsächlich über den Strom, sonst würde das flackern und schnelle Kameras würden schwarze Bilder erzeugen.“

Das magische Dreieck

Ein Graus für Profis, die schon für Regisseure wie Quentin Tarantino oder Gary Ross („Die Tribute von Panem“) beleuchtet haben. Inzwischen setzt „Carpetlight“ selbst Filmstars ins rechte Licht, auch in dem preisgekrönten Kurzfilm „Watu Wote – All of us“ der Hamburger Regisseurin Katja Benrath. „Das ist mit Liebe gemacht, solltet ihr euch unbedingt anschauen“, sagt Götz und gibt den Mädchen noch die Gleichung vom magischen Dreieck mit auf den Heimweg. „Zeit, Geld und Qualität bilden ein Dreieck, aber es gehen immer nur zwei Sachen auf einmal.“ Wer schnell gute Ergebnisse haben will, muss viel Geld investieren – auch in die Beleuchtung. „Ein cooles Start-up, mit unser bester Termin“, urteilen Selina und Lilian vom Luisen-Gymnasium. Ihre Mitschülerin Laura geht noch einen Schritt weiter: „Ich werde mich hier für ein Praktikum bewerben!“

Technik für Hollywood

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