So viel innovativer sein, wie man teurer ist

08.06.2010

Interview mit Peter Starp, Entwicklungsleiter Klimaprodukte Pfannenberg

Ein Ingenieur macht aus seinen Ideen innovative Produkte und verdient damit Geld. Ganz im Unterschied zum Broker: Der macht aus anderer Leute Geld noch mehr Geld, aber er erschafft nichts. Ich kann die Anziehungskraft der Betriebswissenschaft auf die jungen Leute nicht nachvollziehen.

NaT: Herr Starp, von der Lötübung eines Kupferrohrmännchens bis zum Ideenwettbewerb: die Kooperation mit dem Gymnasium Lohbrügge kostet Ihre Arbeitszeit. Warum engagieren Sie sich so für den Nachwuchs?

Man muss sich nur ein wenig mit der Globalisierung beschäftigen, um zu begreifen: Deutschland hat in der Zukunft als Standort nur eine Chance, wenn es innovativer ist als die vielen preisgünstigeren Mitbewerber insbesondere aus dem asiatischen Raum. Genau genommen muss man um so viel innovativer sein, wie man teurer ist. Wenn ich aber mit meinen früheren Kommilitonen spreche, die heute zum Teil als Professoren lehren, dann heißt es immer, es gibt nicht genügend qualifizierten Nachwuchs. Daher engagiert sich die Firma Pfannenberg dafür, Schüler für Technik zu begeistern.

NaT: Technik ist doch gerade bei den Schülern sehr präsent. Will denn niemand mehr wissen, wie das I-Phone tatsächlich funktioniert?

Auf jeden Fall gibt es zu wenig Technikinteressierte, die nicht nur anwenden, sondern selbst entwickeln wollen. Und zwar unter der Fragestellung: Wie kann ich das Produkt besser machen? Genau das ist die Frage, die einen guten Ingenieur und seinen Beruf auszeichnet: Ein Ingenieur macht aus seinen Ideen innovative Produkte und verdient damit Geld. Ganz im Unterschied zum Broker: Der macht aus anderer Leute Geld noch mehr Geld, aber er erschafft nichts. Ich kann die Anziehungskraft der Betriebswissenschaft auf die jungen Leute nicht nachvollziehen.

NaT: Wie sind Sie selbst in den Sog der Ingenieurswissenschaft geraten?

Ein wenig durch die Schule und den Physikunterricht. Vor allem aber durch die Praxis. Ich habe durch meinen Vater schon früh im Heizungsbau gearbeitet. Selbst mit Hand anlegen, Rohre verlegen, Heizungen effizient machen, ich habe da ein wenig Feuer gefangen. Und weil ich nicht als Schrauber arbeiten wollte, habe ich das Studium drangehängt. Aber da wusste ich schon, der Ingenieursberuf ist gar nicht so trocken, wie viele denken.

NaT: Wieso trocken? Wie kamen Sie zu dieser Einschätzung?

Mein Vater war als Ingenieur tätig und wenn ich ihn an seinem Arbeitsplatz besuchte, fand ich nur einen Schreibtisch voller Zeichnungen, ein Telefon und später einen Rechner. Wie langweilig, dachte ich mir. Es war ja nicht sofort ersichtlich, was hinter dem Papierkram so an Gedankenleistung und Innovativkraft steckte. Heute ist mir klar, wir müssen den Bezug zur Praxis früher herstellen. Das Thema „energetische Optimierung eines Kühlgerätes“ am Gymnasium Lohbrügge, scheint mir ein guter Brückenschlag in den Ingenieursalltag.

NaT: Wie haben Ihnen die Präsentationen der Schüler gefallen?

Was ich erstaunlich fand: Bei einigen Gruppen sind auch wirtschaftliche Aspekte durchgeklungen, etwa dass es kein guter Weg ist, die großen Verdichter zu nehmen, weil das aus energetischen und finanziellen Gründen keinen Sinn macht. Auch dass ein Wärmetauscher nicht beliebig groß oder ein Lüfter unheimlich teuer werden kann. Das haben die Schüler mitbewertet. Andere haben die Kältemittelthematik und Umweltpolitik eingebracht. Und kapiert haben sie es alle. Das war schon gut.

NaT: Werden Sie das so im nächsten Jahr wiederholen?

Wir lernen natürlich auch dazu, was den Wissensstand der Schüler und ihre Interessen betrifft. Das Thema Klima wollen wir für den nächsten Jahrgang durch eine konkrete Messaufgabe verbessern. Aber auch für die jetzigen Profilschüler ist die Kooperation noch nicht beendet. Wir machen bei Pfannenberg ja nicht nur die Klimageräte, sondern auch andere Produkte, wie Schallgeber und Blitzleuchten. Im kommenden Semester starten wir daher ein zweites Projekt im Bereich Elektronik. Es ist wichtig, den Dialog nach dem ersten Besuch aufrecht zu halten. Wenn wir die Schüler so begeistern, dass sie von sich aus bei uns anrufen und Fragen stellen, ist viel erreicht.

NaT: Wie bitte, 26 Schüler dürfen bei Ihnen anrufen und Sie nehmen sich für alle Fragen Zeit?

Es wird bestimmt nicht jeder Schüler bei uns anrufen, sondern vielleicht aus jeder Gruppe einer. Wenn das dann direkt ohne den Umweg über den Lehrer erfolgt, finde ich das gut. Wir wollen ja gerade Hemmschwellen abbauen. Meine einzige Notiz aus dem Ideenwettbewerb lautet: mehr Dialog!

Beitrag teilen