So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen im Schülerlabor „Quantensprung“ (HZG)

11.05.2014

Es gibt Momente im Leben, wo es Klick macht. Da fällt der sprichwörtliche Groschen und bleibt liegen. Einfach, weil die Grundlagen und Hintergründe ein- für allemal erfasst und verstanden wurden. Weil Wissen im wahrsten Sinne des Wortes begriffen und abgespeichert wurde. Julika und die Brennstoffzelle sind so ein Fall: „Die Technik wurde gut erklärt, ich weiß jetzt, wie es funktioniert“, sagt die 13-Jährige. Fünf Stunden hat sie im Schülerlabor „Quantensprung“ im Helmholtz-Zentrum in Geesthacht verbracht. Mit Themen wie herkömmlicher Spannungserzeugung, Solarmodulen, der Spaltung von Wasser und vor allem mit der Brennstoffzelle. Zeit, die wie im Fluge verging, wie die junge Neuntklässlerin vom Gymnasium Grootmoor betont. „Das baute systematisch aufeinander auf, das war gut gemacht.“

mint:pink im weißen Kittel

Das Lob geht an Laborleiter Michael Buchsteiner. Der Pädagoge ist auch ein begnadeter Unterhalter. „Ihr sitzt hier im weißen Kittel, da vermutet die Welt, ihr habt Ahnung“, ermuntert er die Schülerinnen, sich zu beteiligen. Es sind „mint:pink“-Teilnehmerinnen der Sophie-Barat-Schule und des Gymnasiums Grootmoor. Dieses Programm richtet sich an Mädchen aus der Mittelstufe und will Lust auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, machen. „Die Mädchen sind sehr diszipliniert, sie antworten und lesen tatsächlich durch, was sie machen sollen“, lobt Buchsteiner, der üblicherweise ganze Schulklassen in die Stromerzeugung mit Wasserstoff einführt.

So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG

Knallgas mit Comedy-Effekt

Die Mädchen dürfen aber nicht nur zuhören und lesen. In erster Linie sollen sie machen: nachweisen beispielsweise, dass sie mit ihrem Solarmodul tatsächlich aus Wasser Sauerstoff und Wasserstoff gespalten haben. „Wie fängt man das leichteste Gas der Welt?“, fragt Buchsteiner. Das Reagenzglas senkrecht halten, Daumen drauf und dann einen glühenden Holzspan rein. Die Mädchen können es kaum erwarten. „Halt, das wird hier jetzt ein Experiment der Gefährdungsstufe 1A“, stoppt der Laborleiter den Eifer. „Das heißt: Schutzbrille aufsetzen, aber nicht aufs Haar, sieht süß aus, aber schützt nicht.“ Doch das finden die Mädchen nicht komisch, sie wollen Action: Wasserstoff aus dem Elektrolyseur abfüllen, Wasserstand beobachten, verschließen – und schon pfeift es an allen Ecken und Tischen. Was für ein Spaß!

Dreamteam im Traumlabor

Die Knallgasprobe ist ein Experiment unter vielen, das für Schritt für Schritt zur Brennstoffzelle führt. „Wir haben elektrische Energie in chemische umgewandelt“, sagt Julia. „Und damit konnte man die Stoffe wieder zusammenfügen, das ergab dann flexibel verfügbare Energie“, ergänzt ihre Tischnachbarin Melina. 15 Minuten hat sich der Propeller in ihrem Experiment durch die Umwandlung von Licht in Wasser gedreht – mit Hilfe einer einzigen Brennstoffzelle. Das allein begeistert. Aber noch mehr haben es die Laborbedingungen den Schülerinnen angetan. „In der Schule ist der Tisch nur halb so groß, dafür gibt es mehr Schüler, die sich nicht dafür interessieren, und die Kittel sind längst nicht so sauber“, schwärmt Julia.

So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
So nobel wie nützlich – Brennstoffzellen  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG

Nobel nach Nettelnburg

Konsequent wäre die Rückfahrt nach Hamburg mit dem Wasserstoffbus gewesen, aber den gibt es in Geesthacht noch nicht. Stattdessen kommt ein blauer Diesel, der sich „Quantensprungbus“ nennt. Der freundliche Fahrer spricht von der Geburtsstätte der Nobelstiftung und den Wohltaten Alfred Nobels für die Stadt. „Ich wäre gerne noch durch das Werk gegangen, um zu erfahren, woran gerade geforscht wird“, sagt Annika. Forschung sei doch immer noch etwas anderes als die „idiotensicheren“ Experimente im Schülerlabor, so die Grootmoor-Gymnasiastin. Schon, nickt Julika, aber dafür hätten sie den Wasserstoffantrieb jetzt ein für alle Mal intus. „Ich fand es gut.“

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