3D-Druck belebt die Finkenwerder Projektwoche

29.06.2018

Was ist eigentlich spannender: Eine Kanu-Sport-Projektwoche oder eine zum Thema 3D-Druck? Emma und Sophie sind sich einig: „3D-Druck macht voll Spaß.“ Da kann man zum Beispiel aus den Vorlagen einen Kegel auswählen, ihn auf den Kopf stellen oder einen Zylinder ganz „platt machen“, erklärt Sophie. Die Zwölfjährige zieht dabei souverän mit der Maus über die Fläche – schon entsteht ein dreidimensionaler Körper, den sie mittig unter die Spitze des Kegels setzt. Da die Körper auf einer Ebene liegen, verbinden sie sich. Jetzt noch Kreise zu Kugeln formen, in den Kegel füllen – fertig ist der Eisbecher, zumindest die Vorlage. Bis zur tatsächlichen Ausgabe im 3D-Drucker wird es allerdings noch dauern: „Wir drucken gerade noch ein kleines Boot aus den Vorlagen, um die Druckqualität zu überprüfen“, sagt Projektleiter Michael Schröder.

In der Hauptstadt des 3D-Drucks

Schröder unterrichtet normalerweise Physik, Chemie und Informatik am Gymnasium Finkenwerder. Aber so kurz vor den Sommerferien ist nichts normal. Da durften die Schüler ein klassenübergreifendes Projekt anwählen. Am beliebtesten war dabei tatsächlich das Kanuprojekt, aber schon an zweiter Stelle stand der 3D-Druck: „Das freut mich sehr, dass es hier so einen großen Andrang gab“, sagt Henning Fehrmann. Der Unternehmer hat gerade die Runde gemacht und sich die Konstruktionen der Schüler zeigen lassen. Dabei tritt er keinesfalls nur als Sponsor von 3D-Druckern auf, vielmehr ist der Ingenieur in besonderer Mission unterwegs: „Ich finde den 3D-Druck super spannend, weil die Technologie so einfach ist – und gerade in Hamburg sehr erfolgreich“, betont Fehrmann. „Man kann darüber Energie sparen und den Hunger bekämpfen – man kann Organe drucken oder Essen.“

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Ice Cream Printing

Emma hat aufmerksam zugehört. Dass die Maschine irgendwann nicht nur das Plastikmodell eines Eisbechers, sondern ein richtiges Eis ausdrucken könnte, das wäre natürlich famos. „Das hoffen wir mal!“ Mit zehn Jahren ist sie die jüngste Teilnehmerin im Kurs. Am ersten Tag hat die Fünftklässlerin die Grundlagen des 3D-CAD-Design kennengelernt und einen eigenen Schlüsselanhänger produziert, am Vortag die TUHH und damit das „FabLab“ für digitale Produktentwicklung besucht, jetzt zeichnet Emma schon dreidimensional am Rechner. „Mittelstufenschülerinnen trauen sich das oft nicht zu. Die jüngeren, die machen einfach“, lobt Schröder. Im nächsten Schuljahr will der Physiklehrer in der Mittagspause einen Ganzjahreskurs für interessierte MINT-Schüler anbieten. Arbeitstitel: “Schröders Lötfreunde“ oder „FatLab 29“ – Finkenwerder endet auf die Postleitzahl 29.

Vom Druck zum Sog

„Wir wollen den naturwissenschaftlich-technischen Bereich fördern“, ergänzt Schulleiter Rüdiger Dartsch und wendet sich direkt an die Schüler: „Ihr bekommt Konstruktionsideen, einen Schrank, wo ihr die Bauteile lassen könnt und kosten wird es auch nichts.“ Das lässt sich Berkkan nicht zweimal sagen. Der Oberstufenschüler hat schon mit 3D-Profiprogrammen wie „Blender“ gearbeitet, jetzt erklärt er Henning Fehrmann, wie er aus zwei Halbkreisen, einem Zylinder und einem Würfel die Funktion für ein dreidimensionales Herz schreiben will: „Ich nehme die Differenz vom Würfel zum Zylinder, um eine abgerundete Ecke hinzubekommen.“ Der Unternehmer nickt anerkennend. Die Technik entwickele 3-fach-Sogwirkung – nicht nur in der Schule: „Wir sind im Februar mit 100 Unternehmen im 3D-Druck-Netzwerk Hamburg gestartet, jetzt sind es schon 300.“ Großartig, findet NAT-Geschäftsführerin Sabine Fernau: „Dann stellen wir dem Netzwerk mal unser Projekt vor.“ Folgenschwer für Hamburgs Schulen, hofft Fehrmann: „Jede Schule sollte einen 3D-Drucker haben!“

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