mint:pink in der Ausbildungswerkstatt der Stadtwerke Norderstedt

29.08.2018

Die Kunststoffummantelung vorsichtig entfernen, die Enden gerade abschneiden, in den Lichtbogen legen und abwarten, wie das Gerät die Fasern genau ausrichtet, aufschmilzt und neu verbindet – fertig ist das Spleißen. Der Fachbegriff geht Marvin so locker über die Zunge, wie die Feinarbeit von der Hand: „Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt selbst einmal eine Glasfaser verbinden“, wendet er sich nach seiner Einführung an die Mädchen. Leoni legt ihre Tasche beherzt beiseite und setzt sich neben den jungen Glasfasermonteur: Die Lise-Meitner-Gymnasiastin ist an diesem Vormittag nicht in die Stadtwerke Norderstedt gekommen, um Vorträge anzuhören oder Zuschauerin zu sein – sie will selbst aktiv werden. Auch wenn das bei einer hauchdünnen Glasfaser alles andere als einfach ist.

Stadtwerke setzen auf mint:pink

Das Spleißen ist aber nur eine von fünf Praxisstationen, das die Norderstedter mint:pink Mädchen an diesem Tag in Kleingruppen durchlaufen. Schweißen, Gravieren, Löten und Drohnensteuerung stehen ebenfalls auf dem Programm. An jeder Station erklären Auszubildende im Blaumann die Aufgabenstellung und den Praxisbezug, unterstützen und ermutigen bei der Umsetzung. Es sind ausschließlich junge Männer: „Wir brauchen mehr weibliche Auszubildende in den technischen Berufen und mehr Frauen in Führungspositionen“, sagt Jens Seedorff, einer der drei Werkleiter im Unternehmen. Von der mint:pink-Idee seien die Stadtwerke Norderstedt sofort überzeugt gewesen: „Das Programm ist schon sehr elaboriert, wir haben große Hoffnungen, dass es sich auch bei uns bemerkbar macht.“

Ohne Schweiß kein Spleiß

Ein Signal geht durch Norderstedt

Auf jeden Fall trägt die Ausbildungswerkstatt an diesem Vormittag mint:pink! Pia und Marika schauen Leoni beim Spleißen über die Schulter, Marvin ermutigt: „Das war schon gut“, sagt er, nachdem die 15-Jährige die zweite Faser gesäubert und beschnitten hat. Nur ist das Schweißgerät weniger tolerant. „Bruchwinkel zu groß“, meldet das Display, als Leoni die Enden des eingelegten Paares verbinden will. „Wenn das Licht zu stark gebrochen wird, geht kein Signal durch den Spleiß – der Kunde hätte weder Internet, noch Telefon oder TV“, so Marvin. Die Mädchen malen sich gerade aus, wie der Kunde dem 22-Jährigen so richtig Dampf macht, als dieser noch einen draufsetzt: „Normalerweise spleißen wir irgendwo im Auto oder im Keller bei Kunden.“ Eine Herausforderung, das ist den Mädchen glasklar, nachdem sie jeweils zwei Glasfasern fusioniert haben. Erfolgreich, wie ein roter Lichtpunkt am Kabelende signalisiert. „So kann das Signal durch ganz Norderstedt wandern, indem man es von Kabel zu Kabel weiterleitet“, betont Marvin.

Spaß am Spleißen und Schweißen

Bei Pia ist der Funke jedenfalls angekommen: „Das ist die beste Station – neben dem Drohnenflug.“ Marika hat das Gravieren am meisten Spaß gemacht, ein selbst gestaltetes Messingschild mit ihrem Namen will sie an ihre Zimmertür anbringen und Leoni schwärmt vom Schweißen: „Das habe ich noch nie gemacht, das war großartig.“ Sofern man sich einmal überwunden hat, schon das Tragen der monsterartigen Schweißmaske flößt Respekt ein. Ausbildungsleiter Stefan Bäumler lobt denn auch die Disziplin der Mädchen, die wiederum den hohen Praxisanteil des vierten Programmtages hervorheben: „Wir durften auch selbst etwas machen, das war super“, sagt Lynn, der das Löten am besten gefallen hat. Nur beim Timing gibt es Verbesserungsbedarf, findet Rania: „Ich hätte so gern auch noch geschweißt, aber dazu ist es nicht mehr gekommen!“ Vielleicht gibt es ja die Chance auf ein Wiedersehen…

Ohne Schweiß kein Spleiß

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