MITtendrin: Rückkoppelungen aus der Konferenz „Schule MIT Wissenschaft“

13.11.2014

Eigentlich wollte sich Tobias Schlegelmilch nur etwas Gutes tun. „Wissenschaft genießen, fachlich auftanken, Input einsammeln“, beschreibt der Physik- und Mathelehrer der Klosterschule die Motive seiner Reise nach Erfurt. An einem Novemberwochenende mitten im Verkehrschaos eines ausgedehnten Lokführerstreiks fand hier die Tagung SMW „Schule MIT Wissenschaft“ statt. Erstmalig in Deutschland, aber mit großem Vorbild: Genau wie das US-amerikanische Programm SEPT „Science and Engineering Program for Teachers“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT) wollte die Konferenz Lehrkräfte an den neuesten Entwicklungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften teilhaben lassen, zum Austausch einladen und begeistern. 

MIT in Erfurt

„Das ist durchaus gelungen“, sagt Schlegelmilch. Obwohl ein Erfurter Hotel nicht das MIT ist und eine Woche in Cambrigde mehr Zeit lässt für Austausch und Orientierung als ein dicht gepresstes Thüringer Wochenende: „Ich musste extra früh aufstehen, um einen Spaziergang zu machen. Sonst hätte ich von Erfurt gar nichts mitbekommen.“ Aber der Physiklehrer war ja auch nicht zum Schlafen und Sightseeing gekommen, sondern für Vorträge wie des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Robert Huber: „Schönheit und Zweckmäßigkeit — Die Architektur der Proteine, der Bausteine des Lebens.“ Themen außerhalb der Unterrichtswelt eines Physiklehrers: „Gerade die Vorträge aus der Biologie oder Chemie haben meinen Horizont erweitert“, lobt Schlegelmilch.    

Hinterm Horizont

Eine Horizonterweiterung, die nicht nur den promovierten Physiker verändert, sondern auch seinen Unterricht: „Ich würde sehr gern stärker mit dem Bioprofil unserer Schule zusammenarbeiten.“ Die Idee dazu hatten Schlegelmilch und seine Biologiekollegin schon vorab, die Konferenz und gerade auch der Vortrag von Professor Huber haben sie konkretisiert: „An der Forschungsanlage XFEL in Hamburg wird ja auch zu Proteinen und Zellprozessen geforscht.“ Wenn sich jetzt also Oberstufenschüler in Schlegelmilchs Physikprofil mit der Funktionsweise der Lasertechnologie und des XFEL insbesondere befassen und Bioprofilschüler mit seiner Anwendung, sich dann beide Profile austauschen und gemeinsam ans XFEL fahren, müsste sich dann nicht auch der Schülerhorizont erweitern?

Phänomene der Rückkopplung

Keine Biologie ohne Physik und Chemie und nichts ohne Mathematik: Interdisziplinarität wurde in Erfurt großgeschrieben, wie etwa der Infektionsforscher Rudi Balling („Systembiologie – ein neuer Hype oder die Zukunft?“) deutlich machte. „Ich fand es sehr inspirierend, dass Mathematik und Biologie eine gemeinsame Überschrift haben“, resümiert Schlegelmilch den Vortrag. Seine nächste Mathematikeinheit zu Linearer Algebra will er mit dem Proteinzyklus einer Zelle starten. „Solche Kontexte machen das Problem authentisch – und nicht so fleischlos und konstruiert wie viele der Übungen in diesem Bereich.“ 

Photoeffekt für Ästheten

Schön, wenn der Mathelehrer seinen Schülern dann auch noch ein Youtube-Video aus der Konferenz vorspielen kann: Die Vorträge sollen noch online gehen, so das Versprechen der Veranstalter. Bis dann Ende 2015 die nächste bundesdeutsche Konferenz in Braunschweig startet. Schlegelmilch kann eine Teilnahme sehr empfehlen. Mit einer Einschränkung: „Wer fertige Unterrichtskonzepte erwartet, wird enttäuscht werden.“ Aber die entstehen ja manchmal wie von selbst: Der Physiklehrer hat jedenfalls ein Fläschchen mit einer lichtempfindlichen Chemikalie mit nach Hause nehmen dürfen,  welche die Wirkung von Lichtenergie veranschaulichen kann. Aber anders als in typischen Versuchsaufbauten mit Zinkplatte und Elektroskop genügt in diesem Fall die Chemikalie und unterschiedlich farbiges Licht. „Hochenergetisches Licht färbt die gelbe Flüssigkeit tiefblau, mit rotem oder grünem Licht funktioniert das nicht.“ Einleuchtend schön!  

Beitrag teilen