Sankt-Ansgar-Schüler setzen Zeichen gegen Hass im Netz

25.06.2018

Strich, Kreis, Strich – fertig ist der Viralclip. Ein paar Buntstiftzeichnungen, eine Handykamera und eine klare Botschaft genügen: Eine Schülerhand malt vier schwarze Strichmännchen, dann ein rotes auf der gegenüberliegenden Seite, allein. Die Kamera schwenkt auf ein gemaltes Herz; das Papier zerreißt, das Herz zerbricht. Erneut entstehen die schwarzen Strichmännchen im Zeitraffer, aber eines hat die Seiten gewechselt: Jetzt halten sich schwarze und rote Hände, das Herz hat wieder zwei Hälften, ein Pflaster hält sie zusammen. „Perfekt“, raunt einer der Neuntklässler in der Aula der Sankt-Ansgar-Schule, als der Applaus verklungen ist und Rafa vorne vor der Leinwand wieder die Moderation für die Abschlusspräsentation übernimmt: „Das ist genau das, was ich euch rüberbringen wollte: Jeder von euch hat eine Stimme und kann sie nutzen, um Gutes zu tun. Jeder von euch ist ein Influencer.“

Sind wir nicht alle Influencer?

Rafa heißt mit vollständigem Namen Rafael Bettencourt und hat es schon geschafft, über 140.000 Follower hinter einem einzigen Instagram Account zu versammeln oder mit Multiplikatoren zu kooperieren, denen Millionen Menschen folgen – gemeinhin als Influencer bezeichnet. So einer nimmt sich drei Tage Zeit, um Schülern die Möglichkeiten, aber auch Gefahren der digitalen Welt zu vermitteln. Mehr noch, ein Team von Medienprofis begegnet 15-Jährigen auf Augenhöhe. „Die Schüler sind super smart“, sagt Lara Margardt, Projektleiterin der Bildungsinitiative BG3000 aus Bonn. „Smart Camp“ nennt sich auch die Veranstaltung, die finanziert von der Konrad-Adenauer-Stiftung erstmalig an der Sankt-Ansgar-Schule für rund hundert Neuntklässler stattfindet. „Die sind für ihr Alter schon sehr weit, beschäftigen sich mit politischen Themen und schützen ihren privaten Account“, lobt Margardt.

Kein Hass in Hamburg: #noh8inhh

„Gegen Extremismus“ heißt der Schwerpunkt des Camps. Am ersten Tag beschäftigen sich die Schüler mit der Theorie: Manipulatin durch Netzextremisten, Cypermobbing und Live-Hacking stehen auf dem Stundenplan. „Das war viel Input, aber total interessant“, sagt Luca. Vor allem den Life-Hacking Vortrag lobt der 15-Jährige, der sich für Informatik interessiert. „Wir haben festgestellt, dass ein Facebook Account niemals wirklich privat ist.“ Auf die Theorie folgen zwei Praxistage: Am Vortag hat Luca an einem YouTube-Video mitgearbeitet, jetzt geht es um eine aufmerksamkeitsstarke Social Media Kampagne. Der Neuntklässler schneidet ein fünfminütiges Video auf drei Sekunden zusammen. So kurz muss ein „Graphics Interchange Format“, kurz GIF sein, wenn es auf der Plattform Giphy hochgeladen werden und sich im Netz unter dem Hashtag #noh8inhh verbreiten soll.

Die spannendste Projektwoche aller Zeiten

„Ehrlich gesagt, hatten wir noch nie eine so spannende Projektwoche“, lobt Melina. „Wir dürfen mit den Medien arbeiten, die wir auch im Alltag benutzen“, ergänzt ihre Freundin Christiane. Die 15-Jährigen tüfteln gerade an einer Folie. Es ist ein Meme, wie Workshop-Leiter Mathias Birsens erklärt: Memes, englisch Miemes ausgesprochen sind aussagekräftige Motive, die mit immer neuen, möglichst amüsanten oder bissigen Texten kombiniert werden. Schon mal gehört, aber nicht ganz kapiert, gibt Martin Biebl zu. „Das ist genau der Grund, weshalb Schule das Thema allein nicht adressieren kann“, sagt der Physiklehrer. Im August findet ein weiteres „Smart Camp“ an der Sankt-Ansgar-Schule statt: Ein Tagesworkshop für Lehrer!

Was macht smart-camps.de:

  • Digitale Bildungsprojekte für Schüler
  • von Praktikern für mehr digitales Knowhow
  • deutschlandweit, zwei- bis viertägig, kostenlos
  • Finanzierung durch Partner und Sponsoren
  • neu dabei: Tagesseminar für Lehrer

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