Mathe hilft im Kopf weiter

22.10.2012

21 Studienanfänger und 7 Anfängerinnen hat der neue Studiengang „Technomathematik“, der gemeinsam von der TUHH und Universität Hamburg durchgeführt wird, in seinem ersten Jahr gewonnen. Mit dabei ist Tobias Bauer. Auf einer Busfahrt von der City-Nord zum Hamburger Hafen erläutert der Zwanzigjährige seine Studienmotivation.

NaT: Erstes Semester Technomathematik, zweiter Studientag – wie ist es dazu gekommen?

Ich habe schon ein Jahr Mathematik in Hamburg studiert, aber das war mir etwas zu theoretisch. Über den Fachschaftsrat, für den ich gearbeitet habe, habe ich erfahren, dass es einen neuen anwendungsbezogenen Studiengang in Hamburg gibt, der zudem auch Elektrotechnik beinhaltet. Ein Fach, das ich schon vor dem Abitur drei Jahre belegt hatte und das mir sehr liegt. Also habe ich mich entschlossen zu wechseln.

NaT: Wo gibt es Elektrotechnik als Abiturfach?

In Norderstedt an der beruflichen Schule des Kreises Segeberg, einer Mischung aus Gymnasium und Berufsschule. Da kann man sämtliche Abschlüsse machen und auch Elektrotechnik, Maschinenbau oder Ernährungswissenschaft als Abiturfach wählen.

NaT: Verstehe, dem gegenüber ist das reine Mathematikstudium trockene Materie…

Ich saß jetzt ein Jahr lang mit Zettel und Stift da und habe gerechnet, oder besser gesagt bewiesen. Aber ich will in meinem Leben doch noch etwas machen, was ich konkret benutzen kann. Ich brauche den Bezug zum Arbeitsleben auch schon bei den Studieninhalten – und nicht erst nach Abschluss. Beispielsweise möchte ich auch Programmieren lernen. Mein bester Freund ist Programmierer, das ist super nützlich und macht auch noch Spaß.

NaT: Wie sind Sie denn überhaupt auf Mathe als Studienfach gekommen?

Ehrlich gesagt, ich wusste nicht, was ich machen sollte. Und weil ich ein ganz gutes Abitur in Mathe geschrieben habe, ist es dann das geworden. Ich würde sagen, mein erstes Studienjahr diente der Orientierung und jetzt weiß ich besser, was ich will. Mathe begeistert mich nach wie vor!

NaT: Was begeistert Sie genau?

Die Logik. Damit kann man kann so ziemlich alles im Leben ableiten und die logischen Lösungen sind meistens auch die besten. Ich würde sogar sagen, ohne Mathe geht nichts, mit Mathe einfach alles.

NaT: Wo kommt das, was Sie im Studium gelernt haben zur Anwendung?

Das was man im reinen Mathematikstudium lernt, kommt in Teilen vielleicht in Versicherungen oder Finanzinstituten zum Tragen. Aber das Entscheidende ist: Man lernt ein anderes Denken, baut eine Frustrationstoleranz auf und kann monatelang mit komplexen Problemen hantieren, ohne daran zu zerbrechen. Mathematik führt nicht immer und überall zu einer konkreten Anwendung, aber es hilft im Kopf weiter. Und das Studium fördert Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und Ehrgeiz.

NaT: Neben dem Studium arbeiten Sie auch bei dem Vater Ihres Freundes, einem Elektrotechniker mit. Was machen Sie da genau?

Das ist ein wenig die Vorbereitung auf das neue Studium: Ich baue mir einen eigenen Verstärker mit einer Platine zur Steuerung. Dafür habe ich einen Schaltplan, den ich weiter verbessere. Man muss alles vorher berechnen, welchen Widerstände man einbaut und welche Spannungen dabei entstehen. Das hat mit Physik zu tun, aber Mathe baut die Logik dafür auf, dass man das überhaupt versteht.

NaT: Vielleicht noch ein Tipp an alle Schulabgänger, die Angst vor Mathe haben?

Mathe versteht man nicht durch Üben, sondern durch Nachdenken. Man darf es nicht auswendig lernen und man darf nicht versuchen, sich das bildlich vorzustellen. Man muss genau nehmen, was da steht, präzise und viel arbeiten. Studium ist nicht gleich Schule, aber dafür wird man auch mit neuen Erkenntnissen und Erfolgen belohnt.

NaT: Tobias, wir danken Ihnen für das gute Gespräch und wünschen viel Erfolg beim Studium der Technomathematik!

 

 

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