Im Inkubator der NAT: Begabtenprogramm mint:pro „Start-up und KI“

05.03.2019

Künstliche Intelligenz (KI), Artificial Intelligence (AI) oder Maschinelles Lernen (ML) – mit diesen Begriffen hat Judith Dada täglich zu tun. Kein Wunder: Die 26-Jährige ist Investitionsmanagerin beim Venture Capital Fonds „La Famiglia“, Berlin. Darüber geredet wird auch in Deutschland unendlich viel. Praktiziert wird es weniger: 48 Prozent der Unternehmen halten KI nicht für relevant für die eigene Firma, so das Ergebnis einer Studie der Beratungsfirma PWC. Ganz anders die 14 Jugendlichen, die sich einen Tag vor den Hamburger Ferien im Betahaus in der Schanze eingefunden haben. Sie sind nicht nur davon überzeugt, dass KI ihre Zukunft ist, sondern dass man damit die Welt ein wenig besser machen könnte. Um ihre Ideen zu konkretisieren, ja vielleicht sogar erste Schritte zu realisieren, haben sie sich für das Begabtenprogramm mint:pro gemeldet.

Das Gehirn ein Computer, der Mensch ein Kunstwerk

Dass Bilderkennung ein klassisches Beispiel für Maschinelles Lernen ist, aber Musikdienste wie „Spotify“ oder der Online-Kartendienst „Google Maps“ sowohl Logik- als auch ML-basierte Komponenten verwenden, erkennen die Schüler schnell. „Ihr seid viel besser, als ich erwartet hatte“, lobt Dada. Der 26-Jährigen macht es sichtlich Spaß, ihr Wissen zu teilen. Und noch mehr, ML-basierte Spiele gemeinsam mit den Jugendlichen zu testen. „Welches Kunstwerk bin ich?“ wird etwa die Google-App „Arts & Culture“ gefragt. Und da hat die App noch eine Menge zu lernen, solange sie Dorothee mit Zopf noch als Mann einordnet und die maximale Übereinstimmung bei Marla gerade mal 61 Prozent beträgt: Mit dem hundert Jahre alten Ölbild der „Mrs. Nathaniel Wales“ hat die Elftklässlerin nicht viel mehr als die Augenbrauenpartie gemein.

Im Inkubator der NAT

Hart, aber gerecht: Maschineller Lehrer

Aber wir stehen ja auch erst am Anfang, sagt Dorothee. Die Matthias-Claudius-Gymnasiastin macht mit bei mint:pro, weil es um ein wichtiges Zukunftsthema gehe: „Man weiß nicht, wohin es führt, aber es gibt so viele Möglichkeiten, unser Leben mit Künstlicher Intelligenz zu gestalten.“ Etwa die Bildung: Zusammen mit vier weiteren Schülern vom Marion Dönhoff Gymnasium und der Sankt-Ansgar-Schule will Dorothee das Lernen individueller und das Bewertungssystem gerechter machen. Die Gruppe ist überzeugt, dass Lehrer früher oder später tatsächlich durch Maschinen ersetzt werden, über ethische Grundlagen streitet sie aber noch. Könnten nicht auch Unternehmen gleich dafür bezahlen, dass man ihnen passende, erfolgreiche Schüler vermittelt, meint David. Wo bleibt da die neutrale Schulbildung, gibt Dorothee zu bedenken.

Lernen und Leben in einer neuen Realität

Am Ende des ersten Programmtages bleiben vier große KI-Einsatzgebiete, an denen die Kleingruppen in den kommenden Sitzungen weiter feilen wollen: Neben der Bildung sind das die Justiz, Landwirtschaft und Mobilität, wie das „Autonome Fahrradfahren“. An dieser Idee arbeiten Moritz und Julian schon länger, Maike ist noch hinzugekommen. Dass sie so strukturiert an die Themen Business Gründungen und die Begrifflichkeiten herangeführt wurden, loben die drei Heilwig Gymnasiasten ausdrücklich. „Die Vorträge waren total spannend“, sagt Maike. Vor allem, weil Judith Dada sie so lebendig vorgetragen hat, für Fragen, Gespräche und Spaß handfest und hautnah zur Verfügung stand – und eben nicht nur per Stream aus Berlin zugeschaltet wurde. Das gibt auch Dorothee zum Ferienstart zu bedenken: „Mein Lehrer ein Computer? Da würde mir das Menschliche schon fehlen!“

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