H₂ - die Formel für Gewinner

17.09.2011

Schulsenator Ties Rabe überreicht Auszeichnungen und an fünf Wasserstoff-Gymnasien einen Sonderpreis.

Meeting mit Potential

Weißes Leinen, runde Stehtische, versteckte Kabel - die Handelskammer putzt sich heraus für den Unternehmerinnentag 2011. Und mittendrin im Vorbereitungstrubel treffen sich Schüler, Lehrer und Brennstoffzellenexperten mit ganz viel Unternehmergeist. Julia, 15, vom Gymnasium Ohmoor beispielsweise: „Technik ist total interessant, weil man etwas ausprobieren, aufbauen und untersuchen kann“, sagt die Zehntklässlerin. Aufgebaut hat Julia zusammen mit einer Schulfreundin ein Wasserstoff-Energie-System und dann auch gleich den Wirkungsgrad des Experimentes bestimmt. Mit einem verheerenden Ergebnis: „Wir haben gerade mal fünf Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie wieder zurückerhalten.“

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Neuste Technik

Kann nicht sein, sagen die Wasserstoff-Experten. Der Wirkungsgrad einer modernen Brennstoffzelle liegt heute schon bei 30 Prozent. Und weil das Experimentierset aus Julias naturwissenschaftlichem Praktikum, einem Wahlpflichtbereich am Gymnasium Ohmoor, schon etwas in die Jahre gekommen ist, erhält die Schülerin ein nagelneues. Überreicht von Åke Johnsen von H-TEC SYSTEMS aus Lübeck und initiiert von Heinrich Klingenberg, Geschäftsführer von hySOLUTIONS: Wenn wir die Anwendung von Brennstoffzellen und Wasserstoff in Hamburg fördern wollen, können wir so ein Ergebnis von engagierten Hamburger Schülerinnen nicht einfach so stehen lassen, plädiert Klingenberg für eine Auszeichnung.

Länderübergreifende Kooperationen

Das Problem nur: es gibt viele ausgezeichnete „Wasserstoffschulen“ in Hamburg und die übrige Jury aus NaT, Haspa, E.ON Hanse und Handelskammer hat bereits entschieden. Für die Gyula Trebitsch Schule Tonndorf, weil sich das Thema Brennstoffzellentechnologie hier wie ein roter Faden von der Beobachtungsstufe bis in die Oberstufe zieht. Für das Gymnasium Süderelbe, weil es nicht nur im Schulunterricht experimentiert, sondern die Ergebnisse auch mit Partnerschulen in Frankreich und England teilt.

Energiegeladene Schüler

Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium hat bereits an vielen Wasserstoff-Wettbewerben erfolgreich teilgenommen und dabei auch schon einen Rollstuhl mit einer Brennstoffzelle in Bewegung gebracht. Das Gymnasium Finkenwerder kooperiert nicht nur mit Auszubildenden von Airbus Deutschland, etwa für den Wettbewerb „zero-emission“, sondern demnächst auch mit einem Landwirt in Benin, Westafrika zum Thema Solarzellen. Und das Gymnasium Grootmoor glänzt nicht erst seit der neuen Profiloberstufe mit energiegeladenem Engagement, wie der Kurs „Umweltmanagement“ in der Mittelstufe belegt, der im letzten Jahr mit einem Karussell den dritten Platz beim Brennstoffzellenwettbewerb erreichte.

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Bestens ausgerüstet

Fünf Schulen, fünf Preise: Bei der Vergabe würdigen die Sponsoren jede Schule gesondert und Schulsenator Ties Rabe beglückwünscht jeden Teilnehmer einzeln: „Schön, dass es auch Schülerinnen und Schüler gibt, die Lust haben auf Natur und Wissenschaft, die forschen, berechnen und herausfinden wollen“, lobt der Senator und ergänzt, dass dazu natürlich auch die Menschen gehören, die Lust auf die Naturwissenschaften wecken. „Lust und Leidenschaft sind die Grundvoraussetzungen, wenn sich Kinder und Jugendliche für etwas begeistern sollen.“ Damit es nicht mehr zu angestaubten Versuchsanordnungen wie zu Rabes Schulzeiten kommt, überreicht der Senator jeder gekürten „Wasserstoff-Schule“ einen Koffer. Allerdings: so schwarz wie der Koffer außen, ist er auch innen. „Da einige Schulen schon sehr gut ausgerüstet sind, dürfen Sie selbst bestimmen, womit Sie die 2.500 Euro bei der H-TEC SYSTEMS einlösen möchten“, erklärt NaT-Geschäftsführerin Sabine Fernau die leeren Koffer. Nur der Sonderpreis ist schon gefüllt: Julia darf das Experimentierset mit nach Hause nehmen und mit ihrer Freundin ausprobieren.

Vielversprechende Partnerschaften

Fünf Schulen, fünf Paten: Die Idee der NaT ist es, nicht nur Material auszugeben, sondern auch die Expertise dazu. Daher begleiten demnächst fünf Paten die Praxis der Brennstoffzellen-Technologie an den Schulen. In ersten Kennlerngesprächen geben die Experten von Airbus, ALTEN Technology, E.ON Hanse, Vattenfall Innovation und dem Zentrum für Angewandte Luftfahrforschung (ZAL) spannende Einblicke in ihre Praxis: „Wir arbeiten schon an der Industrialisierung der Brennstoffzelle, für uns ist die Forschung abgeschlossen“, sagt Sebastian Altmann vom ZAL und erzählt von seiner ersten etwas enttäuschenden Begegnung mit der Brennstoffzelle: „Das sieht aus wie bemalte Küchenfolie und soll 25 Ampere bringen?“ Um die Details zu begreifen, hat der promovierte Ingenieur Brennstoffzellen entwickelt, hergestellt, getestet - und auch kaputt gemacht.

Die Zukunft hat schon begonnen

Ein Vorgehen, das so recht nach dem Geschmack von Julia wäre: „Es ist ein tolles Gefühl, selbst Hand anzulegen.“ Wie hatte der Vorstand der Wasserstoff-Gesellschaft, Nikolaus W. Schües, in seiner Eröffnungsrede gesagt. „Wir wollen Zukunft schaffen, weg von Rohstoffen wie Benzin.“ Mit möglichst vielen klugen Köpfen schon in den Schulen. „Man kann gar nicht früh genug damit anfangen.“ Für Julia hat die Zukunft schon begonnen. Und damit verabschiedet sie sich, vorbei am Brennstoffzellenfahrzeug, das Mercedes-Benz für Probefahrten vor die Handelskammer gestellt hat, zurück in ihren Praktikumsbetrieb, ein Musikfachgeschäft in Hamburgs Innenstadt. Sie sind halt vielseitig, die Unternehmerinnen von morgen.

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