Das Blatt wenden: Dritter NAT Zukunftsrat bittet Nachwuchs zum Gespräch

25.09.2019

Zeichen setzen. Durchaus mit Fragen, hinter denen sich ein Aufruf versteckt: „Wo stehen wir denn auf dem Weg der Veränderung: Haben wir erst 10 Prozent oder schon 90 hinter uns?“, fragt Lutz Junge. Der Unternehmensberater hat über 30 Jahre bei Lufthansa Technik gearbeitet, zuletzt das Innovationsmanagement im Konzern mit aufgebaut und ist überzeugt: Da kommen noch gewaltige Veränderungen auf die Arbeitswelt zu und Erneuerungen nicht an der Digitalisierung vorbei. „Wer Innovation machen will, sollte sich den technischen Themen öffnen.“ Eine Botschaft, die im NAT Zukunftsrat auf offene Ohren stößt: Die Initiative hat zum dritten Mal Vertreter aus Schule, Wirtschaft, Behörde und Körber-Stiftung versammelt, um Impulse zu geben und zu nehmen, sagt Sabine Fernau. Ein Thema, das der NAT Geschäftsführerin besonders unter den Nägeln brennt, ist die Frage, wie wir zukünftig arbeiten werden und was wir dafür lernen müssen.

„New Work“ macht erfinderisch

Da passt es gut, dass Vater und Tochter Junge im Zukunftsrat vertreten sind und Schlagwörter wie „agile Teams“, „iterative Prozesse“ und „New Work“ aus dem Stehgreif mit Leben füllen können. „Es geht nicht um Kicker oder Home-Office“, stellt Varena Junge klar, „es geht um Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Mitarbeiter.“ Die Mitbegründerin der Ökostrom-Plattform „enyway“ beschäftigt 40 Leute, zum Großteil Softwareentwickler, die in „selbstorganisierten Teams arbeiten“ und dabei jeweils von einem professionellen Coach begleitet werden. Mehr Sinn, weniger Kontrolle, das ist die eine Botschaft, die sich hinter „New Work“ verbindet. Mehr digital Skills, weniger Jobsicherheit, die andere: „Bei Lufthansa Technik sind heute Leute gefragt, die man vor zehn Jahren nicht gesucht hätte“, so Lutz Junge. Das beträfe mittlerweile auch alle Ausbildungsberufe.

Das Blatt wenden

Nachwuchs macht der Schule Beine

Wenn aber der Flugcomputer heute schon signalisiert, dass er übermorgen ausfallen könnte, zeigt das nicht nur die Geschwindigkeit des technologischen Wandels, sondern macht auch konkrete Berufsprognosen hinfällig. Sicher ist nur, die Anforderungen werden steigen, Gestalter sind gefragt. Besonders betrifft das die fünf Jugendlichen, die an diesem Nachmittag fast ein Viertel des Zukunftsrates ausmachen. In der Diskussion „Lernen in der Zukunft“ wird deutlich, dass sie sich von der Schule nicht gut vorbereitet fühlen. „Es hapert an allen Ecken und Enden, vor allem bei der Infrastruktur, aber auch beim Personal und sogar bei den Zielen“, fasst Sönke Knutzen, Professor für Berufliche Bildung an der TUHH, zusammen. Anders wird das, wenn man Schule hin zu aktuellen globalen Themen und ihren Experten öffnet. „Was kann ich mit meinem Fach machen und wie möglicherweise damit die Welt verändern“, hat Jonas sich gefragt.   

Graphic Recording macht Lust auf mehr

Der Physikstudent hat schon drei Klimakongresse der NAT begleitet, zunächst als Oberstufenschüler, zuletzt als Moderator beim kk19 an der HCU. „Man kommt mit ganz vielen Referenten näher ins Gespräch und kann alle Nachfragen stellen“, lobt er. Die Kombination aus Technik plus Logistik, Design oder Umwelt sei ein Vehikel, gerade um mehr weiblichen Nachwuchs zu gewinnen, bestätigt Professor Knutzen. „Die Dinge lassen sich nur lösen über Technologie in Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft.“ Info-Grafikerin Tina Nispel verdeutlicht das sogleich in einem Blatt, das halb pflanzlich, halb technologisch ist. Schon zum dritten Mal begleitet ihr „Graphic Recording“ den Zukunftsrat und übersetzt Begriffe oder Ideen in konkrete Bilder. Das Triptychon, das Sabine Fernau geplant hatte, ist damit vollendet, aber die Geschäftsführerin noch nicht damit fertig: „Machen wir doch ein Quatrychon!“

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