Auf zu neuen Ufern: mint:pink baut Brücken an der HCU

10.05.2015

Leuchtend blau begrüßen die Lichtcontainer der U-Bahn-Haltestelle HafenCity Universität (HCU) die Besucher. Vor dem Eingang unter grau-blauem Himmel spult ein Gästeführer Details zur neuen Baakenhafenbrücke herunter: „170 Meter lang, 21 Meter breit und 2.300 Tonnen schwer. Was man bei diesem Gewicht so nicht vermuten würde: Das Mittelstück der Brücke ist aushebbar, dabei wird die Kraft der Tide genutzt und auch große Schiffe können passieren.“ Genial, was sich Architekten und Bauingenieure so ausdenken, findet auch Jana. Sobald die Neuntklässlerin an ihrem studentischen Arbeitsplatz in der HCU den Kopf hebt, hat sie ebenfalls die Baakenhafenbrücke im Blick. Meist schaut sie aber auf das, was einmal eine Brücke werden soll, dunkelblaue Pappröhrchen, eine Fahrbahn, Stützpfeiler, alles entworfen und handgefertigt von Aina-Jula, Jonna und Jana selbst. 

Denken in drei Dimensionen

Die drei Mädchen vom Gymnasium Süderelbe sind Teilnehmerinnen des mint:pink-Programms und an diesem Vormittag zusammen mit Altersgenossinnen aus dem Heilwig Gymnasium zu Gast im Schülerlabor Brückenbau. „Röhren sind stabiler als Dreiecke, weil sie mehr Tragefläche haben“, erklärt Jana die Gruppenkonzeption. Dass eine Brücke so stabil und dabei gleichzeitig so leicht wie möglich sein sollte, leuchtet den Schülerinnen unmittelbar ein. Wie aber Tragwerk und Gestalt gut und genau zusammenarbeiten, das haben sie in einer Mini-Vorlesung von Diplom-Ingenieurin Wiebke Brahms erfahren. Anschließend sollen sie eine eigene Brückenkonstruktion aus Pappe entwerfen und umsetzen: „Alle Mädchen hatten gleich eine Idee und eine Zeichnung dabei – und zwar dreidimensional. Das ist klasse“, lobt Brahms.  

Auf zu neuen Ufern
Auf zu neuen Ufern
Auf zu neuen Ufern
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Kühler Kopf und heißer Kleber

Bei aller Ingenieurdenke, die hier an der HCU vermittelt wird, hat das geplante Vorgehen der Schülerinnen auch einen ganz praktischen Grund: Es gibt nur zwei Bögen Tonkarton pro Gruppe – und die sollte man tunlichst nicht verschneiden. Im Unterschied zum Heißkleber wird nämlich nicht nachgeliefert. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das aus Pappe machen, das wirkt erst mal nicht sonderlich stabil. Aber ich bin gespannt“, sagt Sadaf. Die Heilwig-Schülerin hält eine Klebepistole in der Hand und bearbeitet damit gleichschenklige Dreiecke, die Sarah aus schwarzen Kartonfahnen faltet – Fachwerk, das später die Brücke trägt. Während Gina, die Dritte im Bunde im „Team schwarze Brücke“, gerade dabei ist, Stützen in Trapezform zu konstruieren. „Ich finde es gut, dass wir so selbstständig arbeiten können“, sagt die 15-Jährige.

Nicht von Pappe

An jedem Tisch wird berechnet und skizziert, aber in jeweils einer anderen Kartonfarbe geschnitten und verklebt. „Das erleichtert uns hinterher die Bewertung“, erklärt Tutorin Laura Bohlmann. Wobei es für die Jury kein leichter Job werden dürfte: „Die Mädchen sind alle Feuer und Flamme, sie stehen hinter ihrer Brücken und wollen etwas Tolles produzieren. Das ist insgesamt eine richtig gute Stimmung“, so die 23-jährige Architekturstudentin. In ihrem ersten Semester hat sie im Fach Baukonstruktion eine ähnliche Übung durchlaufen, allerdings ohne theoretischen Input und Tipps.  „Wir hatten keine Ahnung, was Druck und Zug ist, und unsere Brücken haben dementsprechend nichts ausgehalten.“ Das wird bei den Konstruktionen der Mädchen anders werden, da ist sich Laura sicher.

Schubkraft für die Architektur

Letzte Ausbesserungen, abschließende Klebenähte, die Spannung steigt: Vorsichtig legt Aina-Jula den ersten Baustein auf die blaue Brücke. Lieber erst mal klein anfangen, sagt sich die 15-Jährige und wählt die 1,25 kg-Variante. Aber da geht noch mehr – erst bei einer Last von 22,5 Kilogramm gibt die blaue Brücke nach. Wahnsinn! „Ich hätte nicht gedacht, dass man aus zwei Pappen eine Konstruktion bauen kann, die das Gewicht eines Kindes trägt“, wundert sich Jana. Wieder was gelernt: „Jetzt gucke ich ganz anders auf Brücken und ihre Bauart.“ Wie die Baakenhafenbrücke draußen beispielsweise. An einer so imposanten Universität im Herzen neuer schöner wie schräger Bauprojekte tätig sein zu dürfen, das hat auch Jonna und Aina-Jula gefallen. Und vielleicht war es ja nicht das letzte Mal: „Architektur fand ich auch schon vorher spannend, aber jetzt habe ich noch einmal einen Schub bekommen“, sagt Aina-Jula.  

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