Zwei Schwestern prägen die Geschichte von „mint:pink“

15.04.2016

Der Strandkorb gegen die frische Brise, die Eiskugel für die Frühlingsgefühle und das Ticket zur Freiheit so gut wie in der Tasche: Franziska Bednarz erinnert sich nur dunkel an das Gespräch im Eiscafé mit der Initiative NAT und drei Mitschülerinnen aus dem allerersten Physikprofil des Gymnasiums Grootmoor. Fünf Jahre ist das her und seitdem so viel passiert: Abitur, eine duale Ausbildung bei Airbus, der Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen, die Übernahme am Standort Fuhlsbüttel im Bereich „Strategic Pricing“ und nun auch noch ein berufsbegleitendes Masterstudium: „Den Master mache ich in Lüneburg in Wirtschaftsrecht, morgen ist der erste Unitag“, sagt Franziska. Dass die 21-Jährige keine juristische Vorbildung hat, habe die neuen Kommilitonen verwundert: „Aber ich glaube an die Kombination, etwa für den Einkauf, da ist es sinnvoll, wenn man Ahnung von dem vertraglichen und dem technischen Teil zugleich hat.“

Kleine Schwester, großer Stolz

Sonne im Gesicht, die Zukunft im Blick: Schon damals in Katja’s Eiscafé ist Franziska gedanklich gependelt zwischen Jura und Technik, Sabine Fernau erinnert sich genau. Auch an das nagende Gefühl auf dem Nachhauseweg, dass Mädchen und MINT eben doch nicht so einfach zusammenzubringen sind, wenn nerdige Eigenbrötler Image und Profil prägen. Aber wer die NAT-Geschäftsführerin kennt, weiß, so einfach gibt sie nicht auf. Zwei Jahre später gründet Sabine Fernau mint:pink, ein Programm zur Ermutigung, Begleitung und Vernetzung naturwissenschaftlich interessierter Mädchen. Im dritten Durchgang ist Clara dabei, Franzis kleine Schwester: „Wenn mich jemand fragt, was meine Schwester macht, bin ich stolz auf sie“, sagt die 14-Jährige. Dabei entdeckt sie durchaus Gemeinsamkeiten.

Anstoß ohne Abpfiff

Den Flow finden

„Mich interessiert das Praktische, Versuche und Exkursionen“, sagt Clara, die sich daher auf die kommenden Praxistage bei mint:pink freut. Die große Schwester nickt: „Theorie ist schön und wichtig, aber nur, wenn sie auch Anwendung findet.“ Das habe sie auch im Studium bei anderen beobachtet, so sei bei Projektarbeiten, in denen man selbst konstruieren konnte, die Motivation höher gewesen – und in ihrem Fall berufswahlentscheidend: „Ich wollte für etwas Großes und Greifbares arbeiten, ein so cooles Produkt wie den A380.“ Den man nach Fertigstellung mit einem gewissen Stolz an die Kunden übergibt: „Die Abteilungen, die am Ende der Produktionskette stehen, haben mir am meisten Spaß gemacht: Da wo die Techniker die letzten Inspektionen durchführen und Verträge unterschrieben werden.“ Technik und Jura, bei Franziska bleibt das der rote Faden. Bei ihrer Schwester ist es der Erkenntnisgewinn aus der Mathematik, der einen „Floweffekt“ ausmacht: „Wenn ich das verstehe und auch noch direkt anwenden kann, dann bin ich schon sehr stolz.“ 

Vom Profil in die Praxis

Der Punkt, an dem man etwas versteht oder selbst eine Lösung findet, ist ungemein befriedigend, darüber sind sich die Gesprächsteilnehmer einig: „Glückseligkeit pur“, sagt Sabine Fernau. „Sich nicht nur berieseln lassen und oberflächlich verstehen, sondern selbst Arbeit reinstecken und hinterfragen, das macht den Unterschied aus“, meint Franziska. Den habe sie etwa bei ihrer ersten Java-Programmierung gespürt oder auch im Physikprofil, als sie sich mit erneuerbaren Energien beschäftigte: „Wenn ich weiß, dass ich später Windkraftanlagen bauen möchte, habe ich einen Grund und ein Ziel, das Studium gut durchzuziehen.“ Um ein Haar wäre Franzi denn auch in der Windkraftbranche gelandet, aber Airbus war einfach schneller und die Schule das solide Fundament: „Ohne das Physikprofil und die Kooperationen mit Unternehmen wäre ich nicht dahin gekommen, wo ich heute bin.“

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