ArcelorMittal Hamburg GmbH

Vom Eisenerz-Pellet zum Walzdraht: Lichte Eindrücke in einer dunklen Langen Nacht der Industrie

Es blitzt und donnert, Funken sprühen, eine meterhohe Feuerwand erhellt die Werkshalle, wenn der Ofendeckel aufschwenkt und ein Riesenkorb gefüllt mit Stahlschrott Nachschub in den Ofen wirft: "Das ist irre", sagt Timo vor dem Feuerwerk aus Licht, Lärm und Staub. Der 14jährige Gymnasiast ist der jüngste Besucher im Stahlwerk zu dieser späten Stunde. Es ist die "Lange Nacht der Industrie" und 16 Hamburger Unternehmen haben ihre Tore für interessierte Besucher geöffnet.

Für die Tour zur ArcelorMittal Hamburg GmbH haben sich Jugendliche, Studenten, Eltern angemeldet. Auch eine Gruppe der Hamburger Werkstatt GmbH ist dabei. Die Teilnehmer arbeiten auch schon außerhalb der Werkstatt und wollen weitere Unternehmen kennen lernen. Als alleinige Vertreterin des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums nimmt Christa Grimm teil. "Wir absolvieren das komplette Programm der Langen Nacht in Kleingruppen", erklärt die Chemie- und Mathelehrerin. Ihre 16 Oberstufenschüler hätten sich auf alle Touren verteilt, nur Tour neun mit dem Stahlwerk und dem Versorgungsunternehmen Hamburg Wasser sei unbesetzt geblieben. "Die Schüler interessieren sich überwiegend für Medizintechnik und Biotechnologie. Dagegen haben Industrieunternehmen Imageprobleme."

Also geht Christa Grimm ohne Schülerbegleitung auf Tour. Ausgerüstet mit blauem Arbeitskittel, Helm, Schutzbrille und Gehörschutz folgt sie den Erläuterungen des Prozess-Ingenieurs. Dank des Senders in den Kitteltaschen kann die Besuchergruppe beides mitnehmen: die Knall- und Feuereffekte aus dem Elektrolichtbogenofen und die technischen Details zum Produktionsablauf aus dem Headset. Etwa, wie Eisenschwamm aus den Pellets entsteht oder aus dem nachbehandelten flüssigen Stahl tonnenschwere Knüppel, die dann erneut erhitzt und mit einer Walzgeschwindigkeit von bis zu 95 Meter pro Sekunde zu Walzdraht verarbeitet werden. "Das ist total faszinierend", sagt ein Oberstufenschüler, der extra mit seinen Eltern aus Itzehoe angereist ist. "Die Lehrer machen solche Exkursionen nicht mit uns." Jedenfalls nicht alle...

Timo zeigt sich besonders beeindruckt vom Energiesparprogramm im Unternehmen. Stahlproduzenten sind mit die größten Energieverbraucher, weiß der Neuntklässler aus dem Schulunterricht. "Klimaschutz ist mir wichtig." Aber vorerst denkt Timo an seinen eigenen Energiehaushalt, wäscht sich schnell den Staub von Gesicht und Händen und stürzt sich auf das kulinarische Angebot aus Getränken, Obst und Schokolade.

"Wenn die Besucher mit leuchtenden Augen und interessierten Fragen vom Werksrundgang zurückkehren, sind wir auch zufrieden", erklärt Heidi Warnecke. Die Ausbildungsleiterin bei ArcelorMittal hat aktuell über zehn technische Ausbildungsplätze zu besetzen. Vor allem bei den Verfahrensmechanikern für Eisen- und Stahlmetallurgie gebe es Nachwuchsprobleme, weil der Beruf in Norddeutschland weitgehend unbekannt und auch ein wenig verkannt sei: "Klar ist es in der Werkshalle schmutzig und laut, aber auch faszinierend. Das ist ein abwechslungsreicher Job." Das gilt erst recht für die Ingenieure, für die das Unternehmen Nachwuchsprogramme bereithält. Aber auch Schülerpraktikanten seien willkommen.


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Firmeninfos

Firma:
ArcelorMittal Hamburg GmbH
Webseite:
www.arcelormittal.com/hamburg
Ausbildung:
drei technische Ausbildungen (5-7 Verfahrensmechaniker, 2 Industriemechaniker, 2 Elektroniker jährlich)
Mitarbeiter:
550 Mitarbeiter plus 35 Auszubildende
Mutterkonzern:
ArcelorMittal AG
Praktika:
Schüler, Studenten, Abschlussarbeiten im Bereich Werkstoffkunde, Maschinenbau, E-Technik auf Anfrage
Produktion:
1,1 Million Tonnen Stahl jährlich, davon 900.000 Tonnen Walzdraht
Schwerpunkt:
Eisenschwamm, Stranggussknüppel, Walzdraht