Wie Technik Lebensqualität verbessert: Schüler präsentieren Forschungsgebiete der HSU

24.04.2013

Das Format lockt und die Fülle an Informationen tut ein Übriges: Schließlich haben die Physikprofilschüler vom Marion Dönhoff Gymnasium einen Vormittag lang die Fakultät für Maschinenbau der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) erkundet und eine Menge Materialien aus vier unterschiedlichen Forschungsgebieten zusammen getragen. Dazu noch die Datenflut aus dem Netz – gar nicht so einfach, hieraus ein übersichtliches und informatives Poster im DIN A0-Format zu erstellen: „Poster, die auch für sich sprechen, die man auf einer Tagung vorstellt und mit deren Hilfe man auch ein paar Rückfragen beantworten kann“, erläutert Physiklehrerin Hilke Söhle die Aufgabenstellung, die ihre Schüler in den vergangenen Seminar-Stunden bearbeitet haben. Nun sollen sich Kleingruppen ihre Arbeiten gegenseitig vorstellen und bewerten. Im Viertelstundentakt wechseln die Referenten und Themen.

Prall gepackte Poster

Die Posterpräsentation ist ein wissenschaftliches Prinzip, bei dem so mancher Ingenieur derselben Versuchung wie die Schüler erliegt: „Zu viel Text!“, sagt Florian Löcken. Der Diplomingenieur vertritt die HSU an diesem Vormittag und hat die schwierige Aufgabe, sieben Poster zu vier unterschiedlichen Forschungsgebieten zu begutachten und kritische Fragen zu stellen: „Wie viel Energie kriege ich denn am Ende eines schönen Sonnentages heraus?“, fragt er James, der mangels Ablösung aus seiner Gruppe schon die dritte Kurzpräsentation zur „Photokatalyse“ in Folge hält und allmählich ins Schwitzen gerät: „Da brauche ich einen Taschenrechner.“

Wie Technik Lebensqualität verbessert
Wie Technik Lebensqualität verbessert
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Anleitung zum kritischen Fragen

Dabei hat James das Prinzip gerade gut erläutert: Zwischen Sonne und Solarzelle beträgt der Energieverlust 85 Prozent, bis zur Elektrolyse noch mal 30 Prozent und bis zur Brennstoffzelle sind es noch mal 50 Prozent Verlust. Macht bei 100 Kilowatt Anfangsenergie noch 5,25 Prozent. Worum es Löcken geht: Die Schüler sollen nicht einfach Zahlen und vorgefertigte Meinungen kritiklos übernehmen, sondern eigene Rechnungen anstellen und sich selbst Gedanken machen. Und so lernt James im Austausch mit dem Wissenschaftler, dass der Wirkungsgrad eines PKW-Motors auch nur 30 Prozent beträgt.

„Tocken“ bis an den Bosporus

Das Poster, das James, Mirko und Erik unter das Fragezeichen „Energiequelle der Zukunft gestellt haben“, überzeugt Löcken durchaus. „Das ist gut strukturiert.“ Ebenso lobt der Doktorand die „Bus-ID“-Gruppe: Übersichtlich erläutert ihr Plakat die Ziele, technische Grundlagen, Probleme und das eigene Fazit zur Projektfrage: Wie kann man sehbehinderten Menschen die Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr ermöglichen? „Ich finde es langweilig, wenn es so viel Text wie in einer Enzyklopädie ist“, sagt Can. Der Gastschüler aus Istanbul hat sich aus ganz pragmatischen Gründen für die akustischen Signale („Tocken“) als Orientierungshilfe entschieden: „Das ist anschaulich und leicht verständlich. Mein Deutsch ist ja noch nicht so gut.“

Mehr Lebensqualität durch Technik

Daneben referiert Sofija von der „Konkurrenzgruppe“ zum selben Thema. Von dem lauten Stimmengewirr lässt sich die 17-Jährige nicht irritieren, sondern spricht frei und souverän: „Das ist ein total sinnvolles Projekt, das Blinde in den Forschungsprozess einbindet mit dem Ziel, sie besser in die Gesellschaft zu integrieren.“ Zwar hat Sofija an der HSU auch erfahren, wie mühsam und kompliziert die Umsetzung in die Praxis ist, aber sie ist überzeugt: „Das Projekt ist wichtig, selbst man nicht weiß, ob sich das jemals durchsetzt.“

Wie Technik Lebensqualität verbessert
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Forschung steckt an

Ähnlich überzeugt von ihrem Forschungsprojekt ist die Schülergruppe, die den Kampf der HSU-Maschinenbauer gegen „multiresistente Keime“ unter die Plakatüberschrift „Krank werden im Krankenhaus“ gestellt hat. „Wir haben erfahren, wie das Kaltgasspritzen funktioniert und wie das Titanoxid mit UV-Strahlung reagiert und das Bakterium töten kann“, erklärt Hendrik. Dass Technik und Medizin so Hand in Hand arbeiten, findet der Oberstufenschüler interessant, aber er hätte gerne noch mehr erfahren über das Bakterium, gegen das kein Gift mehr hilft.

Komfortabel und komplex: Luftfedersysteme

Man kann halt nicht ein ganzes Studium in einen Vormittag packen, gibt Löcken zu bedenken, der selbst zu dem Thema Verbesserung des Fahrkomforts durch unterschiedliche Luftfedersysteme forscht. „Ich fand das beeindruckend, wie viel Zeit und Kraft allein in die Testung der Systeme und die Materialverbesserung gesteckt wird“, sagt Sophia im Rückblick auf ihren Werkstattbesuch an der HSU. Im Vergleich zu den anderen Themen sei das zwar nicht lebensnotwendig und die Definition von Komfort eine höchst subjektive Sache. „Aber wenn schon in diesem Bereich so tief geforscht wird, wie intensiv muss das dann etwa in der medizinischen Forschung sein!“ Gerne hätte die Elftklässlerin noch mehr über Löckens Forschungsthema erfahren. Aber so speziell das ist, so komplex sei es auch, sagt der Ingenieur: „Die Grundlagen, die man dazu braucht, lernt man erst im Studium.“ Und das darf auch als Einladung verstanden werden, sich in ein paar Jahren noch einmal zusammenzusetzen.