mint:pink besucht das Hydro Aluminiumwalzwerk

13.05.2016

Es klimpert und klirrt, es glänzt und glitzert: Charlotte und Nelly treten auf Getränkedosendeckel oder Trittbretter und kicken sich eine verbogene Aluminiumplatte zu – klingt fast wie ein Glockenspiel. „Super schön“, findet Nelly. Und eine großartiges Bild im Sonnenlicht: Berge von Alt-Aluminium türmen sich auf dem Schrottplatz neben dem Hydro Walzwerk, das zehn Neuntklässlerinnen vom Marion Dönhoff Gymnasium im Rahmen des Programms mint:pink besuchen. Ist das hier eine zusammengepresste Autotür oder Teil einer Fassadenverkleidung? „Man findet immer etwas“, sagt Michael Rösner-Kuhn, Leiter der Anwendungstechnik bei Hydro Hamburg. Etwa polnische Zeitungen, genauer gesagt die Aluminiumplatten, mit denen sie gedruckt wurden: „Für das dabei verwendete Lithographie-Aluminium sind wir Weltmarktführer. Das wird aber nicht in Hamburg erzeugt.“

Mehr geht nicht

Aber dafür hat die Platte über das Recycling den Weg in die Stadt gefunden und landet nun wieder im Ofen: „Wir gießen im Jahr um die 200 000 Tonnen und davon liegt der Schrottanteil, den wir zukaufen bei bis zu 40 000 Tonnen“, erklärt Rösner-Kuhn. Ein höherer Recycling-Anteil wäre günstiger und umweltschonender: „Aber mehr kriegen wir einfach nicht.“ Schließlich nimmt Hydro nicht jeden Schrott, sondern nur den, der zum Legierungsspektrum des Unternehmens passt und keinerlei Gefahrenpotenzial  birgt – wie es bei alten Getränkedosen mit möglichen Restflüssigkeiten der Fall wäre. Dafür benötigt man eine spezielle Recyclinganlage, wie Hydro sie jetzt auch seit kurzem in Neuss betreibt: „Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wenn so ein Behälter mit Flüssigkeit in die Schmelze geht, dann gibt es sofort eine Explosion.“ Die Mädchen nicken. Vorstellen möchten sie sich das aber lieber nicht. Schon die Eindrücke, die sie bisher bei Hydro gesammelt haben, haben ihre Vorstellungen bei weitem übertroffen.

Superlative am Werk

Jenseits von 08/15

Riesige Hallen, glühende Öfen, Monstermaschinen. Nichts ist hier klein und nichts scheint normal. Auf dem Weg in die Warmwalze zeigt Nelly auf eine digitale Temperaturanzeige: „502 Grad: Das ist die Temperatur im Vorwärmofen, bevor die Barren gewalzt werden“, erklärt Anwendungstechniker Timo Weihberger. Es sind zwölf Tonnen schwere Barren aus Leichtmetall, Aluminium, versetzt mit einer bestimmten Magnesiumlegierung, genau wie der Kunde es in Auftrag gegeben hat. „Dann wird der Barren rund 40 Mal hin und her gewalzt, bis von der Dicke von 600 Millimeter ein 5 bis 10 Millimeter starkes Band übriggeblieben ist“, kommentiert der Maschinenbauer das magische Schauspiel, das von der abgeschlossenen Steuerungszentrale nicht nur sehen, sondern donnernd zu hören ist. „Irre, wie schnell das geht“, findet Sophia. Und was für eine Energie: „Die Walzkraft beträgt aktuell 1 200 Tonnen“, so Weihberger.

Reif für die Insel

So viele Zahlen, so viele Eindrücke. Von der Zusammensetzung der Erde bis zur jungen Erfolgsgeschichte des Aluminiums, die Metallurge Rösner-Kuhn in seinem Eingangsvortrag verdeutlicht. Was davon bleibt hängen bei den Mädchen? Zunächst der Eindruck, Schwerindustrie ist anstrengend, heiß und schmutzig. Wie schafft man es, hier täglich zu arbeiten, fragen sich die Mädchen, als sie am Ende bei einem Glas Wasser in der „Insel“, einem Pausenraum der Gießerei, Helm und Schutzbrille abnehmen. Doch die Faszination überwiegt. Und wann kommt man schon mal so nah an die Praxis heran? „Da kann der normale Unterricht nicht mithalten“, meint Marla. „Ich fand es total beeindruckend“, sagt Sophia.

Superlative am Werk

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