Bewerbungstraining für Flüchtlinge bei Lufthansa Technik

17.06.2016

Begrüßung, Smalltalk, Fragen zu Werdegang, Motivation, Stärken und Schwächen: Jonny und Siyamthanda haben sich bisher wacker geschlagen, nun wird es noch einmal ernst: „Wenn Sie noch einmal kurz in ein, zwei prägnanten Sätzen sagen würden, warum wir uns gerade für Sie entscheiden sollten?“, fordert der Personalmanager die Bewerber auf. Siyamthanda überlegt nicht lange: „Ich bin kreativ und will dazu beitragen, Neues ins Unternehmen zu bringen.“ Jonny setzt noch einen drauf und bietet sich gleich als Teamleiter an: „Ich würde auch mit meinem Team zusammen gern Probleme lösen.“ Der Manager nickt und leitet den Gesprächsabschluss ein: „Haben Sie von Ihrer Seite sonst noch Fragen?“

Probe für den Ernstfall

Klar haben die beiden Schüler der Stadtteilschule Barmbek auch noch eine Nachfrage zum Ausbildungsablauf, schließlich haben sie doch gerade von Esther Niehoff gelernt, dass es sich gut macht, wenn die Bewerber auf einen Ausbildungsplatz auch eigene Fragen mitbringen – „nur nicht so gern zum Gehalt oder den Urlaubstagen!“ Niehoff ist Praktikantin im Lufthansa Technik Konzern, gerade hat sie ihren Bachelor in Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg gemacht, nun erprobt sie die Personalpraxis mit einem eigenen Projekt, zu dem das Bewerbungstraining gehört: „Das Unternehmen will ein Konzept zur Integration von Flüchtlingen erarbeiten, aber die Rahmenbedingungen sind komplex, wir müssen noch viele Erfahrungen sammeln.“

Mut zur (M)integration

MINT verbindet

Da kam die Anfrage der NAT zum neuen Projekt (M)integration wie gerufen. Es unterstützt MINT-affinen Flüchtlinge, die an der Stadtteilschule Barmbek ihren Mittleren Bildungsabschluss machen, eine eigene berufliche Perspektive zu entwickeln. Jonny hat diese schon gefunden: „Ich möchte am liebsten eine duale Ausbildung bei Lufthansa Technik machen“, sagt er. Mit dieser Motivation wurde er von seinem Physiklehrer ausgewählt, die Schulkameraden aus den internationalen Vorbereitungsklassen zu begleiten. Ein Stück gelebte Integration, zumal Jonny, der eigentlich Barnabas heißt, zwar ghanaische Eltern hat, aber in Deutschland geboren wurde. Siyamthanda dagegen ist Südafrikaner und erst seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Sein Name bedeutet in seiner Muttersprache Xhosa übrigens so viel wie „Wir lieben dich“ und das passt auch ganz gut zu der Reaktion auf sein Rollenspiel mit Praktikant Jan Meyer.

Fürs Leben gelernt

„Ihr habt gute Chancen“, lobt Andrea Machado. Die Ausbildungsreferentin der Lufthansa Technik bittet die Schüler am Ende des Trainings um ein Feedback: „Ich wusste nicht, wie groß das Unternehmen ist“, sagt Ghassem. „Die kleine Stadt“ am Rande des Flugfeldes mit eigenem Bus, Geschäften und zwei Kantinen hatten die Schüler am Vormittag bei einem Rundgang durch die Werft erkundet. Das war ganz nach dem Geschmack des jungen Afghanen, der Ingenieur werden möchte. Sein Tischnachbar Wael aus Palästina nickt: „Ich kann nichts Negatives sagen, ich hätte nur gern auch mal ein Flugzeug betreten und etwas angefasst.“ Vielleicht beim nächsten Mal im Ausbildungsflieger, tröstet Machado. Aber griffig und praxisnah sei der Tag auch so gewesen, findet Siyamthanda, und damit anders als Schule: „In der Schule kenne ich Mitschüler doch, hier war ich echt nervös“, gesteht er und beschließt: „Das war super, ich habe viel gelernt!“

Mut zur (M)integration

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