mint:pink macht blau – Wasseranalytik im Schülerlabor „Quantensprung“ (HZG)

14.05.2014

Ob der HSV wirklich erstklassig ist, sei dahingestellt. Das lässt sich bei Redaktionsschluss noch nicht absehen. Sicher aber ist: An den mint:pink-Mädchen liegt es nicht. Die Teilnehmerinnen des schulübergreifenden Mittelstufenprogramms haben sich wirklich alle Mühe gegeben, Dokumententinte hergestellt und damit auf Wunsch von Chemikerin Sabine Mendach eine blaue Raute gemalt: „Ich komme auch aus Hamburg, da darf man ein wenig lokalpatriotisch sein.“ Allerdings ist die promovierte Chemikerin fernab vom Volksparkstadion tätig und zwar im schleswig-holsteinischen Helmholtz-Zentrum in Geesthacht.

Hinter der blauen Linie

Der Zusatz „Zentrum für Material- und Küstenforschung“ macht es deutlich: Die Farbe Blau spielt auch in Geesthacht eine besondere Rolle. Die 950 Wissenschaftler auf dem riesigen Areal an der Elbe forschen an neuen Werkstoffsystemen, leichteren Automobilen, am Klima und am Küstenschutz. Letzteres geht nicht ohne Wasseranalytik, wie Sabine Mendach unterstreicht. Dann lässt sie die Neuntklässlerinnen vom Gymnasium Süderelbe fünf unterschiedliche Wasserproben, von destilliertem Wasser über Gerolsteiner bis zum Elbwasser, nehmen, ansäuern, schütteln und mit Ammoniumoxalat versetzen. „Schaut genau hin, bleibt geduldig und gebt nicht gleich auf, wenn nichts passiert“, mahnt die Labormitarbeiterin.

mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG

Schütteltanz im Chemielabor

Alicia stellt gerade eine Probe mit Elbwasser auf den „Lab Dancer“, ein automatischer Reagenzglasschüttler: „Sieht irgendwie ganz normal aus“, meint sie und es klingt fast ein wenig enttäuscht. Als die 14-Jährige aber die Oxalat-Lösung hinzugibt, lässt die Reaktion nicht lange auf sich warten und es bildet sich ein feiner weißer Niederschlag. Noch stärker ist die Reaktion beim Gerolsteiner Wasser. „Cool“, sagt Marnie, als das Reagenzglas sekundenschnell milchig wird: Schwer lösliches Calcium-Oxalat ist entstanden, weil das Mineralwasser einen vulkanischen Ursprung hat und noch mehr Calcium als Elbwasser enthält.

Reaktion mit Rückstand

Logisch, dass beim destillierten Wasser hingegen nichts passiert. Wozu dann die Probe? „Es ist immer gut, eine Negativkontrolle zu haben, also eine Probe, in der der Stoff, den ich nachweisen will, nicht enthalten ist“, erklärt Mendach. Das diene zudem der Fehlervermeidung: Wenn etwa die Laborbesucher beim Aufräumen kurz vor der Abreise statt destilliertem Wasser Leitungswasser nachfüllten, werde das spätestens bei diesem Versuch deutlich. Was die Schülerinnen im Quantensprung-Labor auch lernen: sauber mit vergleichbaren Standards, Maßen und wissenschaftlichen Begriffen wie Nachweisgrenze und Diffusion zu arbeiten.

mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
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mint:pink macht blau – Wasseranalytik  im Schülerlabor  „Quantensprung“, HZG
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Grün wie die Hoffnung

„Ich finde es gut, dass wir viele Experimente machen und dass die auch klappen“, sagt Mareike. Das sei in der Schule keinesfalls selbstverständlich. „Und dass man auch versteht, was man macht”, ergänzt ihre Teamkollegin Aylin. Schade nur, findet Werder-Fan Elisa, dass nur blaue und, beim Nachweis des Eisengehalts im Elbwasser, blutrote Lösungen hergestellt wurden. „Grün geht ja gar nicht“, schüttelt Mendach den Kopf. Aber da hat die Chemikerin nicht an den Heimweg der Süderelblerinnen gedacht: Der Weg führt durch das riesige Areal einer ehemaligen Munitionsfabrik, ein Urwald mit unterirdischen Gängen, zerstörten Kraftwerken, Mauerresten – und richtig schön grün.

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