Deutschlands Astronautinnen werben für technische Berufe

06.03.2017

Lange Haare, schlanke Figur, sympathisches Lächeln – wer glaubt, die erste deutsche Astronautin auf solche Äußerlichkeiten reduzieren zu können, der irrt. Es sind die inneren Werte, die zählen – nicht nur im All, aber hier ganz besonders. Vor einem Jahr startete die Bremer Unternehmerin Claudia Kessler ihre Suche nach geeigneten Kandidatinnen für den Flug ins Weltall. Vorzugsweise zwischen 27 und 37 sollten die Bewerberinnen sein, ein gutes Urteilsvermögen, manuelles Geschick sowie eine überdurchschnittliche Kondition mitbringen. Gemeldet haben sich über 400 Bewerberinnen. Die besten sechs hat Kessler Anfang März der Öffentlichkeit präsentiert. Was diese Anwärterinnen auf den Astronautinnen-Beruf eint, ist ein Kürzel mit vier Buchstaben: MINT.

Mission 2020

Da ist zum Beispiel Lisa Marie Haas, promovierte Physikerin aus Baden-Württemberg. Die 33-Jährige ist bei ihrem Arbeitgeber Robert Bosch in Reutlingen auf Sensor-Technik spezialisiert. Etwa auf Beschleunigungssensoren, die Bewegungen des Nutzers in Echtzeit auf den Monitor einer Spielekonsole übertragen. Aber selbst, wenn die Entwicklungsingenieurin Ende April nicht zu den zwei Finalistinnen gehört, die für den Weltraumflug ausgebildet werden sollen, hat sie eine Mission: „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als ein Vorbild für junge Mädchen zu sein“, sagt die Mutter zweier kleiner Söhne. Die Signalwirkung einer ersten deutschen Astronautin sieht Haas keinesfalls nur auf die Raumfahrt beschränkt, sondern auf die Forschung insgesamt. „Wenn die Vorbilder fehlen, gibt es auch keine Nachahmerinnen.“

MINT macht schwerelos

Frauen ohne Furcht und Tadel

Als die Physikerin diese Worte auf der Bühne von „Airbus Defence and Space“ spricht, hören ihr bereits 13 mögliche Nachahmerinnen in der ersten Reihe zu: Es sind ehemalige mint:pink Teilnehmerinnen, die neugierig sind auf Wissenschaft, Raumfahrt und die Astronautinnen – und die mit vielen Fragen nach Bremen gekommen sind. „Haben Sie denn überhaupt keine Ängste“, will etwa Eileen wissen, als die Mädchen noch vor Beginn der offiziellen Veranstaltung zwei Astronautinnen befragen können. Aber da hat die 15-Jährige genau die richtige gefragt: „Mein jetziger Job ist, glaube ich, gefährlicher“, sagt Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann. Um ihren Traum vom Flug ins All näher zu kommen, hat die 31-Jährige noch ein Fernstudium in Maschinenbau absolviert. „Was wollt ihr denn mal machen?“ fragt sie die Mädchen. 

Ein funktionierendes Team

Die wundern sich über so viel Offenheit und die gute Stimmung unter den Finalistinnen, die genau genommen Konkurrentinnen sind: „Wir haben doch alle sechs schon gewonnen und alle Tests bestanden, jetzt kommt es wohl auf Dinge an, die wir nicht mehr beeinflussen können“, erklärt Magdalena Pree. Die 28-Jährige arbeitet als Luft- und Raumfahrttechnikerin im Satellitenkontrollzentrum des DLR. Neben Pree gibt es noch eine Ingenieurin der Luft- und Raumfahrttechnik, eine Meteorologin und eine Astrophysikerin unter den Finalistinnen. „Die sind alle total unterschiedlich, aber hoch qualifiziert und super sympathisch“, findet Marguerite. Mit der Jury möchte die 17-Jährige lieber nicht tauschen und sich für eine der Kandidatinnen entscheiden müssen, aber einen Tipp hat die Abiturientin dennoch parat: „Auf das Team achten und schauen, was dazu passt.“

MINT macht schwerelos