NAT Schülerbeirat im Gespräch mit Meeresbiologin Antje Boetius

22.03.2017

Vulkanismus, riesige Kugelschwämme und mächtige Berge unter Eis, höher als der „Mont Blanc“, nur eben in der Tiefe: Die Mikrobiologin Antje Boetius erforscht den Meeresboden, der zwar zwei Drittel unseres Planeten ausmacht, von dem wir aber erst zehn Prozent kennen. „Welche war Ihre bisher spannendste Expedition?“, will Ole wissen. Der Lise Meitner Gymnasiast ist einer von 24 Schülern, die im NAT Schülerbeirat den Kongress „MeerKlima entdecken“ am 8. Juni in der Universität Hamburg mit organisieren. Zur Vorbereitung treffen sie im Körber-Forum die Professorin und zukünftige Direktorin des Alfred-Wegener-Institutes, des größten Meeresforschungsinstituts Deutschlands. „Im November werde ich Direktor“, betont Boetius und macht damit deutlich: Sie will den Job nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie mit ihrer Forschung möglichst viele erreichen will.

Die ersten Bilder aus 5000 Metern Tiefe

Vorträge, Anträge, Kommissionen: Schon jetzt hat die Tiefseeforscherin viel um die Ohren. Vor ein paar Stunden noch hat sie sich in Berlin in Verhandlungen über den Abbau von Tiefsee-Manganknollen vehement für den Umweltschutz eingesetzt. Jetzt sitzt Boetius zwischen Jugendlichen und wirkt noch so frisch wie am Morgen. „Mein absolutes Highlight war die Expedition im letzten Jahr“, beantwortet sie Oles Frage, „da habe ich ganz lange dafür gearbeitet.“ Im letzten Spätherbst ist Boetius mit ihrem Team und einem Tiefseeroboter in die Arktis gestartet und hat neuartige Bilder vom Meeresboden mitgebracht. Eine Pionierfahrt: „Bisher gab es keine Technik, Bilder unterm Eis zu machen.“ Also hat die Expeditionsleiterin kurzerhand mit der NASA verhandelt: „Von mir kriegt ihr das Schiff und das Wissen über das Eis, von euch kriege ich den Roboter.“

Im Sog der Tiefe

Hundert neue Arten an einem Tag entdeckt

Mit dem Roboter will die NASA zukünftig eisbedeckte Planeten erkunden, während das Boetius-Team bereits erfolgreich war – hundert neue Arten hat es an nur einem Tag in der Tiefsee entdeckt. „Faszinierend“, findet Filoumenia. Und viel besser als jedes Lehrbuch, lobt Ferdinand: „Das war absolut erfrischend.“ Genau für diesen Boetius-Ansatz, neue Forschungsergebnisse aus erster Hand greifbar zu machen und Mitschüler zu motivieren, sind die15-19-Jährigen im NAT-Schülerrat angetreten. Knapp drei Monate vor ihrem Kongress haben sie schon ein breites Programm aus Vorträgen und Workshops zusammengestellt. Es reicht von der Eröffnungsrede des Klimaforschers Mojib Latif bis zur abschließenden Liveschalte in den Südpazifik zu Professor Hermann Bange, Fahrtleiter auf der „Meteor“. 

Save the seas. Wear a net.

Auch das Handling vor Ort nimmt Formen an: So sollen alle Kongressteilnehmer ein Einlassarmband aus früheren Fischernetzen bekommen. „Bracenet“ heißt die Geschäftsidee von Benjamin Wenke und Madeleine von Hohenthal. Schon lange hat das Paar sein Herz für die Meere entdeckt, bei einem Urlaub auf Sansibar ist es auf das Thema „Geisternetze“ gestoßen: „In den losgerissenen oder absichtlich versenkten Netzen verenden Seehunde, Wale und Meeresschildkröten“, sagt Benjamin und wirft eindrucksvolle Bilder und Zahlen auf die Leinwand. Der Gegenentwurf der beiden Werbefachleute: Die tödlichen Fallen vom Meeresgrund bergen, reinigen und daraus in Handarbeit ein Armband knüpfen. Dabei arbeiten sie mit Tauchern der Meeresschutzorganisation „Healthy Seas“ zusammen, an die zehn Prozent des Erlöses gehen. Für den Schülerkongress gibt es Sonderkonditionen – engagierte Gründer für engagierte Schüler!

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