Drei richtig gute Jahre

18.09.2013

Am Anfang ist da nur diese markige Stimme am Ohr der Schüler. Sie grüßt, flucht, poltert – und plaudert dann im schönsten Hamburgisch weiter. Schließlich kommt dazu auch ein Mensch um die Ecke, hochgewachsen, urig und gut gelaunt. „Oh, bin ich schon online“, sagt Versandleiter Bodo Dennstedt, als er in 24 erwartungsvolle bis amüsierte Augenpaare blickt. Diese gehören zum neu gestarteten naturwissenschaftlichen Oberstufenprofil am Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt und sind ins benachbarte Jungheinrich Werk gekommen, um ihren neuen und zukünftigen Kooperationspartner kennenzulernen.

Die Facetten der Gabelstaplerproduktion

Deshalb geht es auch um mehr als eine Werksführung, für die sich alle Schüler und zwei Lehrerinnen gerade mit Taschenempfänger und Einohrhörer ausgestattet haben. „Es geht darum, ein Unternehmen in unterschiedlichen Facetten kennenzulernen“, sagt Sabine Fernau. Für die Geschäftsführerin der Initiative NAT ist die dreijährige Kooperation zwischen Schule und Unternehmen ein Novum. Während die Oberstufe in der Hansestadt nur zwei Jahre betrage und Kooperationen in der Regel auf ein oder zwei Semester beschränkt seien, biete die langjährige Zusammenarbeit neue Chancen. „Nutzen Sie das und fragen Sie viel, auch wenn es nicht mit Maschinenbau zu tun hat“, wendet sich Sabine Fernau an die jungen Oberstufenschüler. „Ich wünsche Ihnen drei richtig gute Jahre.“

Drei richtig gute Jahre
Drei richtig gute Jahre
Drei richtig gute Jahre
Drei richtig gute Jahre

Vom Einblick zum Durchblick

Drei Jahre, in denen die Coppernicus-Schüler Themen wie Energiespeicherung, Hydraulik und Kunststoffe oder auch ganz praktische Tätigkeiten wie das Schweißen in der Schule und im Jungheinrich-Werk kennenlernen werden. Dabei Einblicke in die Praxis und die Anwendung von Naturwissenschaft gewinnen, um sich schließlich auch selbst zu befragen, wie Werksleiter Oliver Lücke in seiner Begrüßungsansprache unterstreicht: „Aus meiner Sicht ist das Wichtigste herauszufinden, was kann ich richtig gut und was macht mir richtig Spaß. Das sind die besten Voraussetzungen, um hinterher erfolgreich zu sein.“ Der promovierte Maschinenbauingenieur organisiert das größte Werk im weltweit aufgestellten Konzern sowie den Standort in Lüneburg.

Hoch gestapelt, sauber getaktet

Ganz schön erfolgreich, finden die Schüler. Was aber den Spaß angeht, steht der Versandleiter seinem Vorgesetzten keineswegs nach. Stolz und sichtlich begeistert führt Bodo Dennstedt seine jungen Besucher durch die einzelnen Stationen der Hubgerüst-Produktion von der Zylinderfertigung über die Pulverbeschichtungsanlage bis zur Montagestraße. Es ist auch eine Einführung in die moderne Produktionstechnik mit Schweißrobotern und getakteter Fertigung. „Was, wenn die Mitarbeiter die 25 Minuten für die Montage eines Hubgerätes nicht halten können?“, sorgt sich Paul. Dennstedt beruhigt: „Das schafft man! Das ist ganz genau durchgerechnet und ausprobiert worden.“ Und für „Notfälle“ gebe es ja immer noch die Ampel, die das Band bei Rot anhält.

Drei richtig gute Jahre
Drei richtig gute Jahre
Drei richtig gute Jahre

Voll abgedreht

Ganz ohne Ampelregelung dürfen die Schüler am Ende noch selbst zwei Gabelstapler testen. Allerdings nicht die zehn Meter hohen „Hochhuber“, wie Dennstedt betont. „Ihr nehmt den Junior, den ECE 225.“ Klingt spritzig genug, findet Janus und meldet sich als erster zum Start. Der Maschinenbauer erklärt dem 15-Jährigen die Technik. Janus soll diese dann an den nächsten Fahrer weitergeben und so weiter. Dabei behält der Versandleiter die Schüler genau im Blick. Als die 14-jährige Leonie schon die dritte Runde dreht („Das ist voll abgedreht, ein ganz anderes Gefühl als mit einem normalen Lenkrad“), aber die zierliche Mareike noch keinmal gefahren ist, schaltet er sich ein. „Jetzt bist du mal dran. Das ist gar nicht weiter kompliziert.“

Formvollendet

Nein, es ist nicht kompliziert und ein schwungvoller Auftakt in drei Kooperationsjahre. „Autofahren ist mir lieber“, betont Till, der schon den Führerschein besitzt. Aber die Führung sei richtig interessant und witzig zugleich gewesen: „Der Stapler hat nach und nach Form angenommen und am Ende hatten wir eine funktionierende Einheit vor uns.“ Ein schönes Bild auch für die gemeinsame Kooperation, findet Chemielehrerin Aleksandra Skendzic. „Es ist zum Ausdruck gekommen, dass wir wertgeschätzt werden, wieder kommen und zusammenarbeiten wollen. Ein sehr, sehr guter Start!“

Die Kooperation zwischen Jungheinrich und dem Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt zieht sich wie ein roter Faden durch das dreijährige naturwissenschaftliche Profil des Gymnasiums: Nach einem Auftakt im Werk mit gegenseitigem Kennenlernen sowie einer Führung durch die Produktion steht ein Praxistag Schweißen auf dem Programm. In Klasse 11 folgen eine Exkursion ins Duisburger Stahlwerk und Versuche zum Hall-Effekt in der Ausbildungswerkstatt. Zudem stellt Jungheinrich der Schule einen Demonstrator, d.h. ein Mini-Gabelstapler-Modell, zur Verfügung, an dem wesentliche Funktionen des Originals mittels Sensoren und Steuerelektronik nachempfunden werden können. Seitens des Unternehmens ist Werksleiter Dr. Oliver Lücke für die Kooperation verantwortlich.