Forscherinnen von morgen - MINT:PINK Mutmach-Projekt für Mädchen gestartet

21.02.2018

FUHLSBÜTTEL - Klebeband, vorzugsweise in Neon-Gelb, Quietsch-Grün oder poppigem Pink waren am Wichtigsten. Rollenweise wurde es von 230 engagierten Mädchen von 18 Schulen verbraucht, um gemeinsam eine XXLKettenreaktion aus 18 Stationen zu bauen, mit der zum Schluss eine Konfettikanone abgefeuert werden sollte. Dabei kamen die skurrilsten Gegenstände zum Einsatz: Staubsauger, Blaulichter, Spielzeugautos, Legosteine und jede Menge Röhren und Schienen. Zwei Stunden hatten die Teams Zeit zum Tüfteln und Experimentieren, bevor der Startschuss fiel – gleichzeitig Beginn der fünften Auflage des Orientierungsprojektes mint:pink.

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – Schulfächer und Berufszweige, die deutlich jungen- und männerdominiert sind. Rebekka besucht die neunte Klasse des Gymnasium Oberalster in Sasel. „Ich finde Experimente spannend und interessiere mich für Physik. Damit kann man allerdings schnell als Nerd gelten“, sagt die 14-Jährige. Wie sie haben Mädchen auch mit Vorurteilen zu kämpfen, kein Interesse und kein Talent in den Bereichen zu haben. „Falsch“, sagt mint:pink- Initiatorin Sabine Fernau. „Was ihnen fehlt, ist Mut und Unterstützung.“

Deshalb möchte das ehrgeizige Projekt Mädchen bestärken, entsprechende Profil-Fächer in der Oberstufe zu wählen und ihren Weg etwa als Ingenieurin oder Forscherin zu gehen. Seit 2014 gibt es Praxistage und Exkursionen an Hochschulen, Labore und Unternehmen, um Mädchen Zugang zum MINTBereich zu schaffen, sie zu motivieren sich auszuprobieren – ganz ohne „störende, lästernde“ Jungs. Bisher haben 650 Mädchen das Programm absolviert. Knapp 70 Prozent entschieden sich für ein MINT-Profil in der Oberstufe. Dessen weiblicher Anteil hat sich auf 25 Prozent erhöht.

Rosa vom Heilwig-Gymnasium Alsterdorf hatte Spaß beim Aufbau des XXLVersuchs auf dem Philips Campus. „Das ist deutlich spannender, als Formeln zu lernen“, so die 15-Jährige. In den nächsten Wochen werden sie und alle anderen jungen Teilnehmerinnen in kleinen Gruppen in die Welt der Studien-, Arbeits- und Karrieremöglichkeiten in über 50 MINT-Unternehmen und Unis eintauchen. Denn mit Frauenpower lässt sich viel erreichen – was die Papierschnipsel spuckende Konfettikanone unter großem Jubel eindrucksvoll bewies.

Rechts finden Sie den Originalartikel von Claudia Blume, Hamburger Wochenblatt vom 21. Februar 2018.