130 Mädchen am Start von mint:pink

03.12.2013

Wissen, wie ein Handy oder ganz simpel ein Mixer funktioniert, Alltagsgegenstände, die wir täglich benutzen. Das ist die Frage, die Marina, Neuntklässlerin am Matthias-Claudius-Gymnasium bewegt. Pamina vom Gymnasium Oberalster (GOA) will prüfen, ob sie sich zukünftig in den Naturwissenschaften finden kann. Celine, Schülerin des Marion Dönhoff Gymnasiums, möchte medizinisch-technische Unternehmen in der Praxis kennenlernen. Drei Mädchen, drei Schulen, drei Motivationen und ein Programm: Es heißt mint:pink, richtet sich an Neuntklässlerinnen und ermöglicht den 130 Teilnehmerinnen Kontakte, Austausch und Einblicke in technikgetriebene Unternehmen, Hochschulen und Labore.

Am Ball bleiben

Zum Auftakt haben sich daher alle im KörberForum versammelt: die Schülerinnen, ihre Eltern und Lehrer. Unternehmer, Ingenieure und Wissenschaftler. Stifter, Behördenvertreter und eine Senatorin: „Bleibt am Ball“, ermutigt Jana Schiedek, Gleichstellungssenatorin und Schirmherrin des Programms, die jungen Zuhörerinnen. MINT*-Fächer seien sicher nicht immer einfach, aber wenn man mit Spaß bei der Sache ist und weiß, wofür man lernt, sei die größte Hürde überwunden. „Ihr seid genau auf dem richtigen Weg, es besteht eine riesige Nachfrage nach gut qualifizierten Ingenieurinnen, Mathematikerinnen oder Programmiererinnen.“

130 Mädchen am Start von mint:pink
130 Mädchen am Start von mint:pink
130 Mädchen am Start von mint:pink
130 Mädchen am Start von mint:pink

Von rosarot bis mint:pink

Die Chancen sind riesig, die Perspektiven rosig – für alle, die sie ergreifen. Aber warum tun das so wenige Mädchen? „Wir müssen den Mädchen ermöglichen, Gleichgesinnte kennenzulernen und wir brauchen gute Fachlehrer, die gerade auch Schülerinnen ermutigen“, fasst Sabine Fernau ihre Gespräche mit naturwissenschaftlich interessierten Oberstufenschülerinnen zusammen. Das Projekt „Fünf Mädchen ins NAT-Profil“ will die NAT-Geschäftsführerin durch das Programm mint:pink ermöglichen – und hat in neun Hamburger Gymnasien** begeisterte Unterstützer gefunden. „Wenn der Nutzen sichtbar ist, erreiche ich die Mädchen viel schneller“, sagt Physiklehrer Andreas Spangenberg.

Den richtigen Mentor und Meister

Der MINT-Koordinator am Matthias-Claudius-Gymnasium lobt die Langfristigkeit des Projektes und die Verknüpfung von Vorbildern, Berufspraxis und Lebenswelt. „Das können wir als Schule nicht leisten.“ Das können Praktikerinnen wie Kirsten Fust. Nach dem Abitur rieten die Eltern zur sicheren Laufbahn als Polizistin. Aber Fust wollte mit den Händen arbeiten, kreativ sein, am liebsten als Goldschmiedin. Ein Praktikum bei einem Goldschmied war eher ernüchternd: einen Kundenstamm aufzubauen, verlangt viel Zeit und Erfahrung. Kirsten Fust folgte den Fußstapfen ihres Vaters und lernte Elektrikerin. „Da habe ich Blut geleckt. Ich hatte den richtigen Mentor und Meister.“ 

130 Mädchen am Start von mint:pink
130 Mädchen am Start von mint:pink

Berufsfindung mit Bauchgefühl

Es folgte das Studium der Elektro- und Schweißtechnik. Heute ist Fust Geschäftsbereichsleiterin für Netzdienste bei E.ON Hanse. „Verlasst euch auf euer Bauchgefühl, zeigt was ihr könnt und bleibt so, wie ihr seid“, gibt Fust den Schülerinnen mit auf den Weg. Die stehen schon gespannt in den mint:pink-Startlöchern: „Ich würde so gerne mal etwas tiefer in die Praxis gehen und nicht immer nur Theorie lernen“, sagt Maria. Von den Kontakten zu den Unternehmen erhofft sich die GOA-Gymnasiastin Interaktion und neue Perspektiven. Ihre 13-jährige Mitschülerin Natascha will auch endlich selbst Fragen stellen statt nur Vorträge zu hören.

Tolles Elternteil

Die Sankt-Ansgar-Schülerinnen Laura und Awa haben schon einmal die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Wie der Berufsalltag einer Ingenieurin aussieht, will Laura von Kirsten Fust wissen. „Hatten Sie ein sehr gutes Abitur?“, fragt Awa. „Nein, ganz schlecht“, gibt die Ingenieurin zu. Wie schlecht, verrät sie nur Awa. Aber so viel steht fest: Es waren weder Verdienst-, noch Karrierechancen, die Fust zum Erfolg verholfen haben. Es war der Stolz, etwas zu leisten und weiter zu lernen. Dankbar ist die Elektroschweißtechnikerin ihren Eltern, die zum Abi rieten. „Meine Eltern sagen, ich soll machen, was mir liegt und Spaß macht“, sagt Awa. „Das finde ich toll, super Elternteil“, begrüßt Fust Awas Vater, als der seine Tochter abholt. Ein langer mint:pink-Abend geht mit vielen Eindrücken, Informationen, Kontakten zu Ende. „Ich wünsche euch viel Glück“, verabschiedet sich die Ingenieurin von Laura und Awa. 

*Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik

** Gymnasium Grootmoor, Gymnasium Oberalster, Gymnasium Süderelbe, Heilwig Gymnasium, Lise-Meitner-Gymnasium, Marion Dönhoff Gymnasium, Matthias-Claudius-Gymnasium, Sankt-Ansgar-Schule, Sophie-Barat-Schule